Ansel Adams - Provokante Fragen

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    • Hm, also ich denk mal, was Adams wirklich auszeichnet ist, dass sich viele von uns mit ihm identifizieren können. Nicht mit seinen Bildern. Aber mit seinem Streben nach einer Technik ein Bild nach eingenen Vorstellungen zu schaffen. Wenn man seine Bücher liest und vor allem seine Anekdoten, ich denk da besonders an die mit dem Klassenfoto als er die doppelte Magnesium zu blitzen benutzt hat, erinnern wir uns doch gerne an uns selbst und an die Fehler und Erfahrungen die wir gemacht haben. Ausserdem muss man Adams auch immer Kontex seiner Zeit sehen, sowohl was die Bilder angeht als was die Technik angeht. Er hat einfach versucht mit den Mitteln die er zur Verfügung hatte das bestmögliche zu machen und sich nicht einfach hingesetz und gesagt "So, jetzt erfinde ich mal das Zonensystem!". Und wenn Armin schon das Bild "Moonrise over Hernandez" erwähnt so war es ursprünglich ein recht unterbelichtetes Negativ, das er wirklich mit sehr viel Handarbeit hinbiegen musste, weil er mal wieder seinen Beli vergessen hatte und die Belichtung geschätzt hat. Das ist das was mir Mut macht auch meine eigenen Rückschläge hinzunehmen. Und bin mir sicher das ihm auch unser Forum gefallen hätte wenn er es noch hätte miterleben können. Worum ich ihn wirklich beneide, ist die Tatsache das wirklich das gemacht was er machen wollte. Er hat die Natur geliebt und fotografiert, sich mit seinen Bildern für die Schaffung von Nationalparks eingestzt und konnte dort auch leben und arbeiten. Kann es was schöneres geben?

      Gruss Sven.
    • Ich denke es ist völlig legitim, sich - zumal explizit - subjektiv mit künstlerischen Inhalten auseinanderzusetzen, ungeachtet der über alle Zweifel erhabenen technischen Qualität. Ist doch in allen Bereichen der Kunst so - als Stichworte hier nur Brahms, Wagner, Schönberg.. - alle hinsichtlich formaler Kriterien einzigartig, aber eben nicht jedermanns Geschmack. Und nicht jeder grosse Künstler hat immer nur Spitzenwerke produziert, selbst Bach hat so manches aus der Luft gekocht.

      @ Stefan: das Argument, bei Nichtgefallen von Werken erst einmal Besseres vorlegen zu müssen (bevor eine Kritik legitim ist, meintest Du wohl), finde ich nicht sehr stichhaltig. Ich zumindest kann klar sagen, ob mir ein Kuchen schmeckt oder nicht - auch wenn ich keinen backen kann :lol:

      Ich möchte jedenfalls auch als blutiger Anfänger GF-Bilder zur Diskussion stellen dürfen, auch wenn Sie sicher keinen grossen künstlerischen Ansprüchen genügen - nur so kann ich lernen, und das auch von den Bildern anderer Anfänger. Wenn wirklich die Cracks unter sich sein wollen, warum dann nicht eine Aufteilung in entsprechende Rubriken?

      LG, Frank.
    • hier sind einige, die offensichtlich sehr viel über adams bescheid wissen und gerne reden, aber wenn ich mir die hier eingestellten knipsbildchen anschaue, so fällt mir auf, dass es bisher noch keinem gelungen ist fotos wie die von adams zu produzieren. wenn ich bilder von andreas weidner sehe, denke ich, dass er ein schüler von adams gewesen sein könnte. und nur er dürfte sich überhaupt ein urteil über die fotos von adams erlauben. solche diskussionen/sprüche verderben mir die lust hier in diesem forum. ich habe mir vor einem jahr endlich den traum erfüllen können, mit einer gf zu fotografieren, weil ich von den wunderschönen bildern von adams oder weidner fastziniert bin. ich investiere sehr viel zeit und energie in dieses hobby, um irgendwann einmal annähernd so schöne fotos wie diese meister hinzubekommen und habe mich deshalb auch u.a. hier an dieses forum gewendet und erhofft, dass ich einiges erfahren und dazulernen kann. aber leider sind hier nur weniger als eine handvoll forenten, die es hier ernst und ehrlich meinen wie z.b armin , ritkam, shayagul, und jutta- weitere fallen mir momentan nicht ein.
    • @karli:

      wenn ich bilder von andreas weidner sehe, denke ich, dass er ein schüler von adams gewesen sein könnte. und nur er dürfte sich überhaupt ein urteil über die fotos von adams erlauben.


      mit verlaub, dass ist unsinn - ich muss nicht paul bocuse sein, um ein omlett zu beurteilen.

      hier sind einige, die offensichtlich sehr viel über adams bescheid wissen und gerne reden, aber wenn ich mir die hier eingestellten knipsbildchen anschaue, so fällt mir auf, dass es bisher noch keinem gelungen ist fotos wie die von adams zu produzieren.


      an deiner eigenen äußerungen gemessen würde ich dies für recht anmaßend halten - zeig uns erst mal, dass du bessere bilder machst, bevor du so große töne spuckst - würde ich dann sagen - tue ich aber nicht ;)

      aber leider sind hier nur weniger als eine handvoll forenten, die es hier ernst und ehrlich meinen wie z.b armin , ritkam, shayagul, und jutta- weitere fallen mir momentan nicht ein.


      du scheinst uns alle und unsere intentionen hier schon sehr gut zu kennen - respekt!

      könnte es sein, dass du es dir etwas bequem machst, und alles, was dir nicht gefällt einfach beiseite schiebst, und dem was deine zustimmung findet beifall zollst? lernen - und wenn ich dein posting richtig lese, willst du dass doch mit viel energie und zeit - fängt für mich da an, wo man die unbequemen standpunkte und meinungen aufgreift um die eigne sichtweise zu überprüfen. am ende muss man nicht der anderen meinung sein, aber sie als unehrlich und oberfläöchklich zu betrachten, nur weil sie einem nicht gefallen ?
    • Hallo,

      auch ein Anselm Adams drückte nur bei einer Zeit-Blendenkombination auf den Auslöser usw.
      Ich bin jetzt 60 und mit Photos aufgewachsen. Aus meiner Erinnerung hatten früher alle Photos von Profis und Amateuren den technischen Eindruck eines Anselm Adams. Irgendwie arbeiteten ja alle (auch ohne von ihm zu wissen) ein bischen nach seinem Prinzip, logisch. Vielleicht war er auch deshalb während meiner photographischen Ausbildung in den 60-igern unter Profis kein Thema. In s/w konnte jeder Photograph die Charakteristika der verschiedenen E-Substanzen und Entwickler runterbeten. Wer kann das heute noch? Wer weiß im Digibereich entsprechend bescheid?
      Durch die Industrialisierung der Photographie und Bedeutung der Werbung als ihr finanzkräftigster Motor reduzierte sich das Interesse an SW. Die SW-Papiervielfalt reduzierte sich sogar erheblich. Farbe war angesagt und gute SW-Laboranten und Photographen wurden gesucht. Eine kommerzielle Ausnahme machte die redaktionelle Modephotographie (s. P. Lindberg) und ein kleiner, aber stetig wachsender Photo-Kunstmarkt, der zunächst mit den Altmeistern aus den USA kam.

      Damals hörte sicher nicht nur ich erstmals von Anselm Adams und seinem Zonensystem. Schon mit Blick auf den Inhalt seiner kreuzbraven Bilder wüsste ich nicht, dass einer von "uns" daran interessiert war und danach arbeitete. "Wir" waren in Aufbruchstimmung und hatten zur Kontrolle und Referenz Polas. Adams, das Konzept passte zu den ewig dilettantischen Amateuren, wie sie im KB-Bereich von Leitz-Fans vertreten wurden oder an Photo-FH´s.

      Ich denke, dass sich die Charakteristika der beschriebenen Amateur-Profi
      Aufteilung ein gutes Stück erhalten hat. Der Krampfkampf um Aulösung von Baryt und Tintenpisser belegt es. So geführt geht er an der Realität vorbei. Und das Adams gutes für die Natur mit mittelmäßigen Bildinhalten tat, ist ihm nicht vorzuwerfen sondern war genau richtig, um von der Masse verstanden zu werden.
      Die Masse -unabhängig vom sozialen Stand!!!- verkörpert eben das Mittelmaß mit z.Zt. inhaltlich sinkendem Niveau (s. TV und Film).

      Übrigens: Geschmacksache lässt sich auch als Niveau definieren. Ich denke, dass wir hier keine Ruhe bekommen, solange eine Diskussion in Gesinnungs-Grüppchen unmöglich ist (Ambition).
      Z.ZT. diskutiere ich sinnlos um Elementares unter Juttas Gurkenscheibe.
      Einer in der fc hatte es mal auf Anhieb begriffen. Künstler haben den Effekt schon längst konsequent genutzt und aus der Not eine Tugend gemacht.

      Für mich ist Adams ein Marketing Genie wie einst national Charles Wilp.
      MFG rhiner00
    • Hallo Rainer
      Anselm hätte er vielleicht in good old germany geheissen, aber er war in die neue Welt hineingeboren ( drum Ansel Adams ) zuerst Pianist und dann hat er mit fotografieren begonnen.
      Er war Mitglied der Group f 64 die damit begann stark abzublenden und möglichst keine Weichzeichner zu verwenden und die Gruppe waren die Wegbereiter der scharfen und nicht der Malerei nachempfundenen Fotografie und die Gruppe hat wesentlich dazu beigetragen das man heute Fotografie als Kunst anschaut!
      Ich wage zu behaupten das jeder der sich hier sehr kritisch über ihn geäussert hat:
      1. Zuwenig Bilder und Bücher von ihm gesehen und angeschaut, hat weil er sowieso schon ein negatives Voruteil hatte da mag ein bisschen Neid hineinspielen!
      2. Er nur die gängigen Bilder von ihm kennt!
      3. A.A. gerecht zu werden, sollte man mindestens 7- 8 seiner Fotobücher angeschaut und in seinem Büchergestell haben, denn der Typ war so viellseitig und hat so viele Bilder gemacht und erst dann hat man eine blasse Ahnung von dem Altmeister!

      Er hat nähmlich zum teil auch schön abstraktes gemacht und gute Industrie - Aufnahmen, schliesslich muss man ja auch von was leben hat er über solche Auftragsarbeit gesagt!

      Und wenn man dann auch noch mal paar Original Prints gesehen hat dann zieht man dann schon seinen Hut!
      Liebe Grüsse Armin
      " You push the button and we do the rest."
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    • Hallo Armin,

      Du liegst mit Deinen Vermutungen genau richtig. Ich habe gerade mal 1 Bildband gesehen und gekauft. Der verschwand "irgendwie" wieder schnell aus meinem Regal und entsprach bis heute meinem Vorurteil.

      "Wir" waren anders drauf. Jimmy Hendrix, Pop Art und Vogue. Man Ray hatte auch die Photographie schon längst "freigegeben". Das war wie ein photographisches brainstorming. Die Einleitung kam zuvor von Otto Steinert mit seiner "subjektiven Photographie" in den 50-igern. Er war damals einziger international bekannter deutscher Photograph. Wer kennt ihn und sein Werk heute überhaupt noch?
      HG, rhiner00
    • In aller Unbescheidenheit sage ich: Von Ansel Adams habe ich genug Fotos gesehen - und auch etliche in den National Archives selbst in der Hand gehabt - um zu meinem Urteil zu kommen, dass Adams überschätzt wird. Statt noch mehr Fotos von ihm zu bewundern - hier gibt es z.B. von ihm weniger bekannte

      memory.loc.gov/ammem/collections/anseladams/index.html

      empfehle ich Adams' Adepten eher, sich mal das Werk anderer grosser Fotografen anzusehen, von denen sie möglicherweise weder Namen noch ein einziges Foto kennen, etwa von Russell Lee, Charles Sheeler und Dutzenden anderer amerikanischer Meister - von Fotografen anderer Länder will ich gar nicht reden.

      Es mag gute Gründe geben, Ansel Adams in den fotografischen Olymp zu erheben. Man sollte nur aufpassen, dass man das nicht auf Kosten anderer Fotografen tut, weil man deren Werk ignoriert und weil sie kein Gedöns um ihre Technik gemacht haben. Dass deren Fotos selten oder nie so opulent reproduziert wird wie Fotos von AA ( vieles von Renger- Patzsch z.B. gibt es nur in verschwiemeltem Druck, der auch Adams' Bilder alt aussehen lassen würde), das sollte uns doch nicht den Blick verstellen! Der fotografische Himmel hat Platz für viele Götter.

      Man erkennt sie allerdings nur, wenn man den Himmel nicht auf Zone X exponiert und aus Unkenntnis dann auch noch mit N+2 überentwickelt. Damit gerät allenfalls St.Ansel zur Lichtgestalt. 8)

      HG
      Uli
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    • Hallo Uli

      Keine Angst ich arbeite nicht nach dem Zonensystem und in meinem Olymp steht nicht ein einziger Fotograf zuoberst.
      Aber ich denke es ist halt schon sehr einfach ihn nur auf seine technisch perfekten Landschatsaufnahmen zu reduzieren!
      Und ja ich kenne auch noch paar andere Fotografen, da ich regelmässiger Besucher der Galerie in der Stockeregg war in Zürich und während fast 10 Jahren da jede Ausstellung besucht habe.
      Denn noch mehr als Bücher interessieren mich die wirklichen Prints von all den grossen Meistern, Curtis, Watson, Strand, Bresson, Brassai, Weston's ganze Familie, Freelander, Adget und viele mehr von denen ich Originale gesehen habe.
      Als ganzes gesehen hat er der Fotografie wirklich ziemlich viel gegeben und er hat die ganze Sache Namens PR gebraucht um auch im Landschaftsschutz voranzukommen wurde bei Präsidenten und im Senat vorstellig und hat was bewirkt!
      Und wer sehr erfolgreich ist, hat auch immer sehr viele Neider!!
      MFG Armin
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    • Hallo Armin,
      um Neid geht es hier nicht, auch wenn man auf Adams schon neidisch werden könnte, weil einem - mir zum Beispiel - bislang kein einziges Foto gelungen ist, dass der Qualität seiner Prints auch nur entfernt nahekäme.

      Was mich an der Bewunderung für AA und an der Dauervermarktung seiner Fotos auf Postern, Kalendern und Büchern aber in der Tat ärgert, das ist die Heiligenverehrung für ihn, und das unterbelichtete Interesse für andere Fotografen. Ihn als den Großen Meister hochzujubeln, wie es zum Beispiel in der US-Szene geschieht, das heißt ja letztlich nichts anderes, als dass man anderen Meistern und Meisterinnen nur einen niedrigerenRang zubilligt.

      Ich bestreite nicht, dass Adams ein bedeutender Lehrer der Sensitometrie war. Mich hat der Gebrauch von Zonensystem und Spotmeter - in praxi (!) - allerdings eher konfus gemacht, als dass er mir Sicherheit verschafft hätte. Doch das will ich nicht ihm anlasten. Denn andere berichten, dass seine Lehren sie einen gewaltigen Schritt nach vorn gebracht haben. Nur eines sollte man dabei nach meiner Meinung nicht tun: Diese Lehren - und seine Fotos - als das Alpha und Omega der (Großbild)fotografie ansehen. Andere schafften Gleichgroßes, auch ohne dass seinen Methoden folgten. Und wie immer war dabei wesentlich, dass sie dafür selbstkriitisch genug waren und fähig, aus ihren Fehlern zu lernen - und den Mut nicht aufgaben.

      Es stört mich einfach, dass durch die Adams-Hype ein Epigonentum entstanden ist, welches seinen höchsten Ausdruck dann darin findet, dass man einen Workshop im Yosemite oder am Big Sur bucht, und Fotos produziert, die möglchst wie echte Adams aussehen. Bei Andreas Weidner kann man das, glaube ich, auch lernen.

      Mir fiel bei Fotos auf, , auf denen Adams selbst beim Fotografieren zu sehen ist, dass er dabei immer derbe Stiefel trug. Mein "Verdacht": Für seine Landschaftsfotografie war dieses Schuhwerk und seine körperliche Ausdauer weit wichtiger als der Gebrauch eines Spotmeters. Das ganze Weihrauchgeschwenke um den Großen Meister, die Nachahmerei und all die Wallfahrten lenken leider davon ab.

      Die wichtigste Flüssigkeit in der Fotografie ist eben nicht der Entwickler, sondern Schweiß, auch der Angstschweiß, Hoffnungsvolles zu verpatzen. Wem Ansel A. da Ängste nimmt und zusätzlich Mut verschafft - wohl denn!

      HG
      Uli
      Alles kommt zu dem, der warten kann
    • Hallo Uli
      Unsere Meinungen liegen vermutlich näher wie es laut unseren postings ausschaut!
      Aber Ansel kann nichts dafür, wenn nun ein Personenkult aus ihm gemacht wird, ein typisch amerikanisches Phänomen!
      Es riecht nach viel Geld und das muss schliesslich auch gepflegt werden, somit das Image nicht verblasst!
      Mir ist gerade eingefallen wie ich mal einen Original Pepperprint von Weston neben einem AA Print hab hängen gesehen und da war ich ein bisschen verschrocken über die Unschärfe vom Original Weston f 128 gibt halt schon ganz schön Beugungsunschärfe, selbst bei einem Kontaktprint!
      Und ich hätte mir die Technik von AA an dem Print gewünscht!

      So hat halt jeder seine Vorbilder und Referenzen und es ist nicht meine Art meine Ideen als die einzig gültige Betrachtungsweise anzuschauen und ich lerne auch gerne noch dazu! :D
      MFG Armin
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    • Unsere Meinungen liegen vermutlich näher wie es laut unseren postings ausschaut!

      Das glaube ich auch. Aber wie man so schön sagt: "In der Übertreibung liegt die Anschaulichkeit", und Vergröbern hilft manchmal beim Verfertigen der Gedanken.

      Was du zur leichten Unschärfe bei einer der "Paprikaschoten" von Weston sagst, ist interessant. Vielleicht bekommt die der Wiedergabe von Textur und Weichheit/Festigkeit der Frucht besser als Adams' etwas gleichmacherische Schärfe. Dazu gleich noch etwas:

      Eines meiner Lieblingsfotos von Paul Strand ( er ist seit Jahren mein unangefochtener Favorit in dem, was ich für mich "stille Fotografie" nenne) ist seine Aufnahme eines Knollenblätterpilzes, dessen Hut am Rand von ein paar Gräsern durchschnitten ist. ("Toadstool and Grasses", zu finden in Paul Strand: "Time in New England", Aperture Book, ISBN: 0-89381-060-6 ) Hier finde ich ein Zusammenspiel von Weichheit und Härte/Schärfe, wie sie viele Fotos von Strand auszeichnet und in dem er der Eigenart seiner Gegenstände sehr nahekommt. Bei Adams vermisse ich das. Grob gesagt ( Begründung: s. o.) : bei ihm sehen Dinge oft aus, als wären sie alle aus dem gleichen Material. Selbst ein gekochtes und geschältes Ei, in das ein Eierschneider gedrückt wird, ( in "Examples" auf Seite 112) macht auf mich den Eindruck, aus Marmor zu sein. Ich suche schon lange nach einem Wort dafür, etwas Besseres als "kristallin gleichmacherisch" zur Charakterierung vieler Adams- Fotos fiel mir bisher aber nicht ein.

      Dass er einen "Akt" fotografiert hätte, mag ich mir kaum vorstellen. Ich fürchte, der sähe wie eine Statue aus. Und die "Paprikaschote" vielleicht wie eine mit ewiger Haltbarkeit - aus Kunststoff.
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    • "johnars" schrieb:

      Aber Ansel kann nichts dafür, wenn nun ein Personenkult aus ihm gemacht wird, ein typisch amerikanisches Phänomen!


      So typisch amerikanisch ist das längst nicht mehr. Das haben wir hier z.B. mit den ewigen Bechers auch.

      Ralf
    • @Uli
      Was Du als "kristallin gleichmacherisch" bezeichnest, nenne ich "schockgefroren". Damit meine ich die Starre, die z.B. eine extreme Schärfe erzeugt.
      Wichtig ist mir Dein Begriff "gleichmacherisch". Will sagen, dass es Aufnahmen gibt, die gerade von der Schärfe leben.

      @Jutta
      Falls Du das liest und mit Blick auf Deine Gurkenscheibe denkst, ich widerspreche mir selbst, nö! Deine Gurke löst sich bei weiterer Vergrößerung vom stofflichen! her noch mehr auf.

      @Ralf
      die Geschichte des Düsseldorfer Ehepaares Becher spielt in der deutschen Photographie eine besondere Rolle:
      Für Photographen blieben bis Ende der 60-iger Kunsthallen geschlossern.
      Für die künstlerisch arbeitenden gab es damals als nennenswerte Galerie nur die Photokina.

      Die Bechers kamen aber beide aus der Kunstszene bzw. von der Kunstakademie. So weit ich mich erinnere, stellten sie als bildende Künstler und nicht als Photographen erstmals Photos in der Düsseldorfer Kunsthalle aus.

      "Schuster bleibt bei euren Leisten!", sagte unser Photo-Fachkundelehrer in der Berufsschule und fügte mit Blick auf unsere künstlerischen Ambitionen hinzu:" als Photographen seid ihr die ersten, als Künstler die letzten."

      Die Bechers schafften es, diesem Sinn zu widersprechen. Soweit mir bekannt, gehörten sie auch nie einem photographischen Lobby-Verband an aber öffneten der Photographie dennoch das Tor zur Kunsthalle.

      HG, rhiner00
    • "rhiner00" schrieb:

      die Geschichte des Düsseldorfer Ehepaares Becher spielt in der deutschen Photographie eine besondere Rolle


      Mag ja sein.

      Aber irgendwann kann man es nicht mehr sehen und nicht mehr hören. Es reicht, wenn ich meine Kamera irgendwo vor einem Hüttenwerk aufbaue, schon kommt einer an und will wissen, was ich von den Bechers halte.

      Wie hier schon anderweitig festgestellt, ist der Kult um Leute wie Adams oder die Bechers eine sehr zweischneidige Sache. Natürlich haben sie ihre unbestrittenen Verdienste, aber auf der andere Seite werfen sie einen Schatten, in dem mir zuviel anderes nicht mehr wahrgenommen wird.

      Ralf
    • "rhiner00" schrieb:

      @Jutta
      Falls Du das liest und mit Blick auf Deine Gurkenscheibe denkst, ich widerspreche mir selbst, nö!

      Du hast es erkannt! :lol:

      "rhiner00" schrieb:

      Deine Gurke löst sich bei weiterer Vergrößerung vom stofflichen! her noch mehr auf.

      Kann ich nicht viel damit anfangen, weil das sind alles nur theoretische Aussagen! Der 40x50 Baryt-Print hat mich mehr überzeugt, als Deine theoretische Behauptung.

      Lg, Jutta
      Licht ist Lebenselement