Alte Glasnegative als Schlechtwetterprogramm

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    • Alte Glasnegative als Schlechtwetterprogramm

      Hallo in die Runde!

      Vor gut einer Woche habe ich von meinem Onkel 6 Stück etwa 100 Jahre alte Fotoplatten/Glasnegative im Format 13x18 bekommen, welche meinen Heimatort zeigen. Er hat die Platten vor mehr als 20 Jahren auf einem Flohmarkt gefunden und für etwa 50€ (660 Schilling) gekauft, wusste jedoch jetzt nichts mehr damit anzufangen. 5 der Aufnahmen wurden vom gleichen Punkt aus gemacht und zeigen die Entwicklung des Ortes über mehrere Jahre - wunderbar so etwas zu sehen.

      Die Fotoplatten habe ich auf der Glasseite vorsichtig von Staub und Verschmutzungen befreit. Mit einer Rasierklinge festsitzenden Dreck entfernt und mit Glasreiniger den Schleier gereinigt. Vorher erfolgte natürlich ein Test auf einem kleinen Fleck :)
      Die Emulsionsseite habe ich abgeblasen und nur mit einem feinen Pinsel gereinigt, damit keine weiteren Beschädigungen und Kratzer entstehen. Ich traute mich nicht, hier mit z.B. Filmreiniger auch nur etwas zu versuchen. Dann also ab in meinen V800, gescannt, geschärft in PS und fertig. Die Qualität der Aufnahmen hat mich überrascht - trotz der offensichtlich schlechten Lagerung und des Alters sind viele Details zu erkennen.

      Eine Übergabe an den lokalen Kulturverein bzw. an ein Archiv erfolgt die nächsten Tage. Die Vorankündigung dazu hat bereits zu großer Freude geführt, solche Aufnahmen sind wohl sehr selten. Anhand diverser Gebäude und Baustellen, werden wir dann das genaue alter der Aufnahmen ermitteln. Das sollte gut funktionieren, ist doch auf 2 Aufnahmen die Baustelle für das erste Amtsgebäude/Gemeindeamt zu sehen bzw. diverse Zu- und Umbauten im Sensenwerk Redtenbacher/Geyerhammer. Eventuell erstelle ich noch Kontaktkopien der Negative, mal sehen.

      Es war schönes Schlechtwetterprogramm und die Aufnahmen aus dem eigenen Wohnort vor so langer Zeit haben mich einfach begeistert!

      LG Ronald


      Bilder dazu gibt es auch:




    • Hallo Ritchie,

      Ach, leider habe ich das jetzt zu spät gelesen - die Platten habe ich heute Morgen übergeben. Auf der Hülle steht "Blick Richtung Gsollsattel mit Bank im ..." weiter leider nicht mehr richtig zu entziffern (Bleistift). Belichtungszeiten usw. wurden nicht ausgefüllt.

      Übrigens wurde nun durch diverse Gebäudebauten das älteste Foto auf 1898 datiert :)
    • Ja das wäre interessant gewesen.
      Die Schicht sieht weiß bis - silberfarbig aus, teilweise dunkel, und fühlt sich leicht rau an. Es sind keine starken Flüssigkeitsverläufe oder ähnliches zu sehen - es wurde alles halbwegs gleichmäßig aufgetragen.
      Vielleicht hilft das einzugrenzen wie die Platten erstellt wurden?
    • Nach meinen alten Schwarten wurde einst viel gezaubert, um die Tonwerte zu bringen; Entwicklung im Mehrbad, auch unter Sicht nach "Narkotisierung" in Pinacryptol, aber ob das 1895 auch schon so war?

      Das Beschichten wurde schon maschinell gemacht, und die Oberfläche gibt meines Wissens auch keine Rückschlüsse auf den Entwickler - "Hervorrufen" meint ja den Prozeß der Entwicklung.
      Damals war Sprache allgemein detailreicher und realitätsbezogener, ist mein Eindruck, denn Hervorrufen beschreibt wesentlich effektiver als Entwickeln, was da geschieht...


      Ich hab mal einer Photographin, die eigentlich nach Ihrer Ausbildung in den 50ern nur retuschieren wollte - und dies auch tat - neben Ihrer aufschlußreichen Biographie und einem Bruchteil Ihrer Handwerkskunst auch noch Glasplatten von Ihrer eigenen Verlobung abgeschwatzt, von 1959 sind die wohl.
      Kontaktkopien gabs auch noch dazu, einfach traumhaft die Qualität.

      Glasplattennegative waren übrigens bis vor wenigen Jahren ob ihrer Präzision das Maß der Dinge in Bereichen der Industrie, sind also keineswegs Schnee von vorgestern.