Kennt jemand die GAOERSI 4x5 ?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Kennt jemand die GAOERSI 4x5 ?

      Hallo zusammen,

      ich habe kurz entschlossen eine GAOERSI 4x5 in der Bucht geschossen.

      Das Ding kommt irgendwann in den nächsten 2 Wochen von einem Fotografen in England. Normalerweise mache ich sowas nicht, einen Kameratyp online kaufen, den ich offline noch nie in der Hand gehabt habe. Aber der Bautyp reizte mich: Eine Weitwinkel-Shift-Kamera für 4x5 inch, konstruktiv irgendwo zwischen Cambo Wide, Dayi, Alpa und der Sinar Handy.

      Im Netz findet man fast nix zu dieser Kamera. Informationen zu Gaoersi drehen sich meist um die Panorama-Kameras.
      Kennt jemand von euch die GAOERSI 4x5 und hat vielleicht schon damit gearbeitet?
      LG, Klaus
      ___
      www.bonnescape.de
    • Cool, dass Du die gekauft hast. Ich war auch schon ganz oft drauf und dran, mir so eine zu schießen, denn eigentlich reicht mir Shift als Verschiebung in den allermeisten Fällen schon aus, wenn ich Großformat mache. Und mit einer Grafmatic Kassette kann man damit bestimmt wunderbar aus der Hand fotografieren.

      Was bekommst Du denn zum Gehäuse dazu, auch Lenskonus mit Objektiv und Sucher, internationales Rückteil, nehme ich an?

      Schön, dass wir dann Infos aus erster Hand haben werden. :)
    • Black&White wrote:

      Cool, dass Du die gekauft hast. Ich war auch schon ganz oft drauf und dran, mir so eine zu schießen, denn eigentlich reicht mir Shift als Verschiebung in den allermeisten Fällen schon aus, wenn ich Großformat mache. ...
      Was bekommst Du denn zum Gehäuse dazu, auch Lenskonus mit Objektiv und Sucher, internationales Rückteil, nehme ich an?

      Schön, dass wir dann Infos aus erster Hand haben werden.
      Danke :)
      Die Kamera kommt mit einem 5,6/75 mm Super Angulon in Compur, passendem Helicoid/Konus, Aufstecksucher und internationalem Rückteil und scheint komplett bis auf den Faltlichtschacht, der nicht dabei ist.

      Ich bin gespannt und werde gern berichten ...
      LG, Klaus
      ___
      www.bonnescape.de
    • Hallo zusammen,

      mittlerweile ist das gute Stück angekommen. Wie versprochen, hier ein kurzer Querschnitt zu meinen Erfahrungen mit der Kamera.

      Der oben von Wolfi erwähnte, sehr lesenswerte Bericht in der Magnachrom lobt das Konzept und Design der Kamera, kritisiert aber vor allem Fertigungstoleranzen, das empfindliche Finishing und die ungenauen Entfernungsangaben auf der Fokusschnecke. Ich komme bei meinem Exemplar interessanterweise zu einem umgekehrten Ergebnis.



      Die Gaoersi ist ambitioniert gebaut und lässt selbst so nette Gimmicks wie eine Belederung der Feststellschrauben (!) und Ösen für das Anbringen eines Tragegurtes nicht vermissen. Beim Konzept allerdings hat der Hersteller einige Dinge in für mich erstaunlicher Weise nicht zu Ende gedacht. Man hat fast den Eindruck, dass da im Entwicklungsteam kein Fotograf mit dabei war ;)

      So kann man dank des Holzgriffs mit der Kamera prima Aufnahmen aus der Hand machen. Die Produktentwickler scheinen aber dabei vor allem an Querformat und Panoramafotos gedacht zu haben. Schwenkt man die Kamera ins Hochformat, kann man nur nach links oder rechts shiften, da sich die Shift-Baugruppe vorn nur um 180°, aber nicht um 90° gedreht montieren lässt. Das haben andere Hersteller besser gelöst. Die gängige Anwendung für hochformatige Architekturfotos mit Shift nach oben funktioniert also so nicht. Stattdessen hält man die Kamera querformatig ausgerichtet und man setzt das Graflok-Rückteil um 90° gedreht an. Das wiederum geht allerdings nur, wenn man vorher den Aufstecksucher entfernt (!). Den kann man mangels drehbarer Make eh nicht fürs Hochformat verwenden, aber ihn dann gleich abbauen und verstauen zu müssen, finde ich sehr unpraktisch. Da fehlen tatsächlich nur 2 mm, so dass es ein Leichtes gewesen wäre, das z.B. mit einem geringfügig höheren Suchersockel zu vermeiden. Wenn jemand so weit gedacht hätte …



      Eine andere Sache ist, dass der Objektivwechsel nicht an dem Shiftmodul, sondern mit dem Shiftmodul erfolgt. Man kann dem Vernehmen nach von 45 mm bis 150 mm einen ganzen Rappel an Brennweiten ansetzen, aber man schleppt tatsächlich für jedes Objektiv eine eigene Shifteinheit mit.
      Daneben ist die fehlende Führung für den Drahtauslöser fast schon eine Kleinigkeit. Man hätte den ja wie bei Cambo und anderen leicht durch den Handgriff führen können, um oben mit dem Daumen auszulösen. Aber da sitzt eine dekorative Wasserwaage.


      (1) Basisrahmen mit Handgriff, Stativfuß und Zubehörschuh. (2) Graflok-Rückteil. (3) Mattscheibenrahmen. (4) Shiftrahmen mit (5) Objektivtubus mit Schneckengewinde, (6) Compur-Verschluss und (7) Objektiv. (8) Aufstecksucher.

      Die Fertigungsqualität ist dagegen einwandfrei. Die Kamera ist extrem stabil und die einzelnen Module passen präzise und spielfrei zusammen und machen (mit Ausnahme des separaten Aufstecksuchers) einen hochwertigen und zuverlässigen Eindruck. Der vertikale Shift bis 2,5 cm hat zwar keine Friktionsführung, ist aber gut gehemmt, hält in jeder Position und hat zusätzlich eine gut greifende Feststellschraube. Da wackelt oder rappelt nichts, da gibt es keinen unerwünschten Lichteinfall und die mattschwarze Eloxierung ist so, wie ich das bei derartigen Kameras erwarte. Die Entfernungsangaben am Fokussierring sind exakt bis zur Naheinstellgrenze von 1 m, so dass ich prinzipiell ohne Lupenkontrolle an der Mattscheibe mit der Kamera aus der Hand fotografieren kann. Inwieweit die Schärfentiefeskala exakt ist, muss ich noch prüfen. Insgesamt macht die Kamera einen sehr guten Eindruck und es macht Spaß, damit zu fotografieren.



      Falls jemand noch mehr zur Gaoersi 4x5 wissen möchte: Auf meiner Blogseite habe ich noch weitere Details und Beispielfotos platziert: bonnescape.info/2020/07/21/erfahrungen-mit-der-gaoersi-4x5/
      LG, Klaus
      ___
      www.bonnescape.de
    • Ja, die Gaoersis hatten nicht den besten Ruf, aber es ist denkbar, daß die Hersteller reagiert und entsprechend nachgelegt haben.
      Ansonsten gibts da schon Einiges fürs Geld, will ich meinen..

      Ich würde dennoch testen, ob an der augenscheinlich präzisen Fertigung vorbei Film-und Objektivebene parallel ausgerichtet sind, also Mitte und alle Ecken scharf werden.

      Solltest Du den originalen Sucher behalten wollen - Wegraspeln oder Höherlegen des Materials dürfte doch keine große Hürde darstellen.


      bonnescape.de wrote:

      Inwieweit die Schärfentiefeskala exakt ist, muss ich noch prüfen

      Unbedingt, sowas kann Überraschungen zutage fördern :) Reparaturwerkstatt

      The post was edited 1 time, last by Shen Hao ().

    • Shen Hao wrote:

      Ja, die Gaoersis hatten nicht den besten Ruf, aber es ist denkbar, daß die Hersteller reagiert und entsprechend nachgelegt haben.

      Ich könnte mir denken, dass mein Exemplar ein Prototyp oder ein erstes Handmuster war, das sauber gefertigt, aber in den Details konzeptionell noch nicht so ausgereift war. Dafür spricht auch der Umstand, dass es kein Typenschild, kein Logo und keine Serien-Nr. o.Ä. gibt. Auch der leicht konische Handgriff, der bei anderen Modellen als Formgriff ausgearbeitet und mit einer (unergonomischen) Drahtauslöserhalterung versehen ist, kann ein Hinweis darauf sein. Wenn man den Bericht in der Magnachrom berücksichtigt und mal annimmt, dass Michael Sullivan ein solches späteres Modell getestet hat, kann man vermuten, dass dieses mit der Serienfertigung konzeptionell verfeinert wurde aber die Fertigungsqualität gesunken ist.


      Shen Hao wrote:

      Ich würde dennoch testen, ob an der augenscheinlich präzisen Fertigung vorbei Film-und Objektivebene parallel ausgerichtet sind, also Mitte und alle Ecken scharf werden.
      Die ersten Bildserien lassen hinsichtlich der Schärfe keine Wünsche offen, aber ich werde da noch etwas akademischer testen.


      Shen Hao wrote:

      Solltest Du den originalen Sucher behalten wollen - Wegraspeln oder Höherlegen des Materials dürfte doch keine große Hürde darstellen.
      Ja, falls der Sockel nicht geschweisst, sondern verschraubt ist, werde ich ein Plättchen als Abstandhalter einbauen. Beim Raspeln müsste ich in der Länge viel Material abtragen, so dass die Stabilität gefährdet sein könnte.
      LG, Klaus
      ___
      www.bonnescape.de