Dem auch nicht

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    • Dem auch nicht

      Dies Objektiv habe ich zusammen mit einer Noname 9x12 Klappkamera gekauft, zugegeben eigentlich nur weil ich den Flanschring brauchte.

      Was soll ich sagen, nachdem ich es ausgebaut, die Linsen demontiert, schön geputzt und poliert und den Verschluss wieder in Gang gebracht hatte merkte ich erst was für ein überaus seltenes Objektiv es ist.
      Eurynare von Rodenstock wurden recht häufig verkauft allerdings mit Lichtstärke 1:3,5 sind sie wirklich rar, vor allem in 150mm Brennweite.
      Als 105er oder 135er schon eher anzutreffen.
      Die Eurynare sind reine Dialyt Systeme, halbsymmetrisch, vier Linsen, die hintere Gruppe hat die Brennweite von 150mm x 1,75 und die vordere 150mm x 1,65

      Durch fehlende Kittstellen und auf Grund der recht dünnen Gläser sollte sich dieses Objektiv sehr gut für alternative Prozesse eignen die viel blaues und/oder UV Licht brauchen, sehr hilfreich ist dann natürlich auch die Lichtstsärke.
      Das Scharfstellen ist jedenfalls ein Traum.
      Nachdem es soweit wieder in Ordnung ist muss ich es eigentlich auch ausprobieren, mal sehen, vielleicht am WE.

      Da ich jetzt doch keinen freien Anschlussring mehr habe musste ich mir etwas einfallen lassen.
      Für meine kleine Emco Compact V Drehbank habe ich mir jetzt ausgerechnet welche Wechselräder ich für die Gewindesteigung von 29-1/13/Zoll brauche und habe mir auch noch einen Stahl für das Gewinde geschliffen mit 50° Spitzenwinkel.

      Mich würde wirklich mal interessieren wer sich diese Maße damals bei Friedrich Deckel ausgedacht hat.

      Jedenfalls funktioniert das jetzt und nun kann ich mir auch diese verrückten Ringe selber anfertigen, wurde auch mal Zeit.

    • norma wrote:

      welche Wechselräder ich für die Gewindesteigung von 29-1/13/Zoll brauche

      Gemessen hast Du die 29-nochwas aber nicht?

      Wie auch immer bist Du mit 29plus zwar dicht an den durchaus üblichen 28TPI (threads per inch, sprich Gewindegängen je Zoll) dran, aber es könnte theoretisch auch ein altes Gewinde für optisches Gerät sein, die hatten 50 Grad FLANKEN-Winkel (die Spitze hat keinen Winkel sondern einen Radius), und auch 30 TPI - allerdings nur bei dünnen Stangen.

      Von daher tippe ich auf ein anderes historisches Gewinde, also keine Verwirrung dann seitens Firma F Deckel, sondern irgendwie ein lustig Ding.
      Es gab eine Firma, die Drehbänke baute, und dort die damals üblichen Leitpatronen zum Gewindeschneiden z.B. mit exakt 29 1/13 TPI und 50 Grad Flankenwinkel versahen, und dieses Gewinde als "Gewinde Nr 9" bezeichneten.

      Was hat die Emcoleitspindel, metrische 4mm Steigung?
      Wie kommst Du damit auf eine Wechselradbestückung, die diese krummen 29 1/13 TPI auswirft?
      Ich würde das vernachlässigbar auf/abrunden.
    • Die Daten zu dem Gewinde habe ich aus der Deckel Reparaturanweisung.
      Selbstverständlich kann auch ein solch "krummes" Gewinde genormt werden es ist halt nur seltsam das nicht gleich 28 oder 30 Gang/Zoll genommen werden.
      Da lag für mich die Überlegung nahe das es darum ging die Nachferigung durch Dritte zu erschweren.
      Deine Informationen zu diesem Gewinde hatte ich bisher nicht, ich weiß nur das es bei diesen alten Objektiven so manche verrückte Steigung und seltsame Flankenwinkel gibt. Für die Mechaniker war das damals aber sicher auch normaler Arbeitsalltag.

      Die Emco Compact V ist eher eine Mickey Mouse Drehbank, sie wiegt 29kg und hat dementsprechend nur eine 1,5mm Leitspindel.
      Die Wechselräder sind 20-60-26-50-60 wenn ich mich jetzt nicht irre, kann ich aber gern noch genauer nachschauen.
      Ausgegangen bin ich von 1mm Steigung, die 29-1/13 g/" sind etwa 0,94mm Steigung und dann geschaut mit welcher Kombi ich da am dichtesten heran komme.
      Jedenfalls gibt es bei 4-5mm langem Gewinde keine Probleme.

      Passt auf Euch auf und gesund bleiben!
    • Aus meiner Erfahrung (vor allem aus der Tischlerei/Bootsbau) mit "schrägen" Maßangaben kann ich sagen, dass oft die Umrechnung Zoll(Inch?)/mm schuld ist. Wobei Zoll nicht Zoll oder Inch und Inch nicht Inch ist. Jedes Land hatte sein eigenes Normensystem. Und im Bereich von Zoll kommen die Brüche dazu(wobei in der Waffenfertigung wieder Dezimalstellen verwendet wurden/werden) . Das ist für den im Jahr 2020 lebenden Mitteleuropäer schon etwas schwierig. Wenn dann ein Produzent von Drehbänken seine Gewindesteigungen nach (Pariser, Berliner,Österreichischen)Zoll baut und dann irgendwann in mm "umbezeichnet", dann kommen(mit Toleranzen und Rundungen) schon "schräge" Bezeichnungen heraus (auch das "Leicagewinde" ist meiner Erinnerung nach nicht ganz "gerade, die 39mm liegen nahe an den 1 1/2 Inch und die Steigung ist 1/26 Inch/Zoll).
      Ich finde es toll, wenn diese alten Maße nicht ganz verlorengehen - und so photographieren wir auf 5x7 Planfilm mit einem 12 Inch Objektiv und vergrößern auf 305 × 406 mm (=12x16 Inch).
    • Shen Hao wrote:

      norma wrote:

      die 29-1/13 g/" sind etwa 0,94mm Steigung
      Angegeben ist die Steigung beim Patronengewinde mit 0.873mm, falls es an einem langen Gewinde mal etwas genauer werden muß.
      Jedenfalls ist das Gewindeschneiden meist bei Weitem nicht so zeitintensiv wie das Ermitteln des richtigen Gewindes :)
      Deine Zahl stimmt natürlich, meine habe ich aus dem Zusammenhang gerissen, sie kreiste aus einem anderen Grund in meinem Kopf umher,
      Es ist wohl war, mitunter ist es wirklich schwierig die passende Steigung und den Winkel herauszufinden. Bei echten Exoten habe ich auch schon einen Abdruck davon gemacht und eine Schattenprojektion vorgenommen.
      Ingesamt finde ich es aber immer spannend und freue mich natürlich wenn dann mal wieder eines der Altgläser aus seinem Dornröschenschlaf erwachen kann.
    • Allemal viel Spaß mit dem Klunker.
      Ich hab noch ein 135er Eurynar aus einer 1956 von einer lernenden Fotografin gebraucht gekauften Noname-Plattenkamera.

      Meines ist aber Dialyt-atypisch, und wirkt offen eher schon wie ein Weichzeichner.
      Was ich wiederum sehr begrüße :)

      Erklärst Du mir noch kurz, wieso Deine beiden Brennweitenangaben mit einem Multiplikator versehen sind?
    • Die Werte habe ich aus dem Lens Makers Vademecum und besagt das die Hinterlinse alleine die Brennweite von 150mmx1,75=262mm hat.
      Die Frontlinse allein benutzt demnach die Brennweite 150mmx1,65=247mm
      Die gleichen Faktoren haben z.B. auch die Schneider Symmare aus der Nachkriegszeit, das 5,6/150 ist dafür noch zusätzlich in grüner Farbe mit 12/265mm graviert.
      Heute wird wird wohl keiner mehr die Einzellinsen verwenden, dafür sind die Objektive zu günstig geworden, aber bis Ende der 1960er Jahre waren Objektive reine Luxusgüter, zumindest für nicht Berufsfotografen, da war eine zweite Brennweite sehr willkommen auch wenn sie optisch nicht zur Höchstleistung taugte aber gut abgeblendet durchaus brauchbar war.

      So ein hochlichtstarker Doppel Anastigmat, wie dieser hier, hat schnell mal den Gegenwert von drei bis fünf Fein Unzen Gold gekostet, gemessen an den damaligen Stundenlöhnen ist der Preis so einfach hochzurechnen, einfach den jetzigen Goldpreis nehmen und die Relation passt. Danach müsste eine solche Optik heute so zwischen 5000-8000 Euros kosten.

      Mein Heliar 3,5/150 hat 1930 US$ 90 gekostet, habe ich in einem anderen Thread schon mal geschrieben, und in dem Jahr kostete die Unze Gold US$21.
      Solche Preise wären heute unvorstellbar aber sie erklären warum bestimmte Objektive so überaus selten auftauchen, sie wurden auf Grund ihres Preises nur sehr wenig verkauft und wenn einer das Geld dafür ausgab dann hatte er es über oder musste damit seinen Lebensunterhalt damit verdienen.
    • Insgesamt ist das 150er recht Streulicht anfällig und eher kontrastarm. Aber es hat bei Offenblende eine wunderbare Schärfe ohne weichzuzeichnen (Gott sei Dank). Im Nahbereich kann es schon mal vor kommen, dass man sie auf dem Abzug suchen muss aber sie ist immer da. Außerdem hat das Teil ein wunderbar cremiges Bokeh, das nicht unruhig ist.

      Es war mein erstes GF Objektiv und wird das letzte sein, was ich wieder hergebe.

      Gruss Sven.