Newbie Laufbodenkamera mit Messingobjektiv restaurieren

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    • Newbie Laufbodenkamera mit Messingobjektiv restaurieren

      Guten Abend werte Gemeinde!

      Nachdem ich mich seit einiger Zeit mit analoger Klein und Mittelformat Fotografie beschäftige, selbst entwickle und Abzüge mache habe ich mir als Corona-Projekt eine historische Laufbodenkamera zugelegt. War ein Schnäppchen, braucht ein bisschen Arbeit aber wir haben ja Zeit...

      Zum Modell: Es handelt sich um eine hölzerne Laufbodenkamera für 13x18cm Glasplatten, der Balgen hängt etwas (2-3cm) durch ist aber lichtdicht, das Gehäuse ist in einem tollen Zustand, sauber, alles bewegt sich frei und nichts ist verzogen, erstaunlich für das Alter! An der Kamera ist ein Messingobjektiv montiert: Derogy No.3, das Glas ist klar ohne Kratzer oder erkennbaren Pilz. Der Schieber für die Blende fehlt leider, so auch der Objektivdeckel. Abschließend kommt das Set mit 3 hölzernen Glasplattenhaltern die allerdings bessere Zeiten gesehen haben, mindestens einen werde ich aufarbeiten können, mindestens einer ist vermutlich leider Müll.

      Erstmal die dringendsten Fragen:

      Zum Objektiv. Kennt jemand das Objektiv? Mich würde vor allem interessieren welche Blende es ohne Schieber hat. Außerdem habe ich mir überlegt den vorhandenen Schlitz als sehr rudimentären Verschluss zu nutzen indem ich ein passend geschnittenes Blech einführe. Ideen hierzu?

      Zu den Glas/Filmhaltern. Hat jemand Erfahrung mit der Restaurierung so alter Dinger? Ich würde die Kamera gerne quasi als Gegenentwurf zu meiner Rolleiflex SL66 für Portraits auf Direktpositivpapier verwenden. Nachdem die Kassetten für Glas angefertigt sind muss ich mir Film/Papierhalter basteln/lassen. 1mm Stahlbech als Rückteil und das selbe als 1cm Rahmen ringsum, das Papier dazwischen klingt für mich akzeptabel oder braucht das Papier mehr Halt?

      Zum Balgen. Ich will da eigentlich so wenig wie möglich ran, Schimmel oder Undichtigkeiten sind netter Weise ohnehin nicht vorhanden. Trotzdem denke ich, dass ein bisschen Pflege nicht schaden kann. Ich habe (vermutlich hier im Forum) gelesen, dass Schuhcreme nicht schlecht sei allerdings will ich diese ungern mechanisch auftragen und habe die Sorge, dass, wenn das Leder zu weich wird, der Balgen weiter hängt. Hat jemand Erfahrung mit etwas sprühbaren?

      Vielen Dank vorab!


      Walkingverve
    • Schönes Projekt. Stell doch mal Bilder ein, damit man mal gucken kann, wie das Dingen aussieht.

      Die Idee mit dem "Schlitzverschluss" finde ich super. Da bin ich bisher noch nicht drauf gekommen. Habe nämlich auch noch so eine Optik rumfliegen und die Hutmethode könnte ruhig etwas Verbesserung vertragen.

      Zum Balgen: Schuhcreme? Das ist verbreitet, stimmt, aber ist das auch anzuraten? Ich würde ein Lederpflegeprodukt nehmen - sofern es ein Lederbalgen ist, natürlich nur - oder Vaseline aus der Apotheke. Aber stimmt natürlich: Nicht zu viel auftragen, sonst wird der Balgen noch wabbeliger.
      Zum Sprühen gäbe es derartige Lederpflege ja auch. Ich muss allrdings dazu sagen, dass ich mich mit Restaurationen null auskenne. Der Tipp kann also völlig falsch sein.
    • Bilder! Natürlich! Ich habe das Gehäuse gereinigt und mit "Renuwell Möbelregenerator" behandelt. Kann ich nur empfehlen, das Holz bekommt seine originale Färbung zurück, ist gegen Feuchtigkeit geschützt kann aber weiter atmen außerdem wirkt es antistatisch und lässt das Holz nicht aufquellen.

      Das letzte Bild zeigt die Kassetten-Baustelle. Wenn man wieder raus darf wird die Trennwand aus Papier durch eine aus Kunststoff ersetzt und die hölzernen Schieber innenseitig lackiert (ursprünglich waren sie an der Unterseite (holzfarbig) mit Stoff beklebt, der hat sich aber aufgelöst)

    • Tolles Schmuckstück!
      Derogy war ein französischer Hersteller, der in den Jahren 1893-1898 diverse sogenannte Reisekameras produziert hat.
      Im Internet wirst du selbst bereits recherchiert haben, das spare ich mir jetzt mal. Aber bei Kadlubek finde ich eine ganze Reihe Kameratypen, auch im Format 13x18 cm. Am ehesten zu deinen Bildern passend scheint mir die Beschreibung der Universalreisekamera aus Holz von 1893 mit Zahntrieb und quadratischem Balgen. Das Objektiv müsste dann ein Derogy Rectilinear mit vermutlich 210 mm Brennweite sein, Lichtstärke 8. Findest du diese Bezeichnung irgendwo auf dem Objektiv?
      LG, Klaus
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      www.bonnescape.de
    • Ich hab das hier nur quergelesen, denke daher aber, dass es eher ein 190mm Objektiv ist. Das ist bei einem Aplanat zu knapp für 13x18, vorallem, da der nutzbare Bildkreis da viel geringer als der Ausgeleuchtete ist.
      Zu den Kassetten: E-Kech hier im Forum hat für seine mal ein internationales Rückteil gedruckt, sowas hat viele Vorteile wenn es um die Nutzbarkeit geht.
      Wenn es wirklich ein Lederbalgen und kein beschichtetes Papier ist kann man Lederpflege zum Sprühen nehmen. Gegen das Durchhängen kann man von unten stützen.
      Zeit ist nicht Geld.
      Zeit ist Zeit.
    • Hallo und vielen Dank!

      Außer Hersteller und Seriennummer (30441) steht auf dem Objektiv noch "Apl. No.3". Aplanat könnte also gut sein. Auch habe ich bei Recherchen ein vergleichbares Derogy No.3 gefunden das mit Einsteckblenden von 8 bis, ich denke 32, verkauft wurde.

      Das mit dem gedruckten Rückteil klingt toll sprengt den Rahmen dieses Projekts aber bei weitem. Ich möchte dieses Schätzchen so original wie möglich aufarbeiten um dann Freunde und Gäste mit Portraits zu bespaßen. Wenn mich das Großformat dann packt kommt was "vernünftiges" ins Haus ;)