Hybrid arbeiten

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    • Hybrid arbeiten

      Hallo allerseits

      Da ich sehr wenig Platz in meinem Labor habe, überlege ich mir seit einiger Zeit, ob ich meinen Vergrösserer nicht besser verkaufen würde, die Negative Einscannen und Digital weiterverarbeiten nicht die bessere und einfachere Lösung für mich wäre.
      Da zurzeit die Entwicklung von Farbfilm/Dia sehr teuer geworden ist, würde ich das Entwickeln dafür selber in die Hand nehmen und der Platz des Vergrösserers würde dann von einer Jobo Entwicklermaschine eingenommen werden.
      Ich kann sowieso nur bis 4x5 inch vergrössern, die 8x10 kann ich jetzt schon nur Blattkopieren oder Einscannen und ausdrucken. Da ich einen sehr guten Epson Drucker habe der bis A2 Drucken kann inklusive Panos. Wenn ich nur SW machen würde, wäre es was anderes, aber ich will auch Farbe und da ist es immer schwieriger ein gutes zahlbares Labor zu finden. Von der Haltbarkeit sehe ich keine Probleme, hatte mal einen Test gemacht und ein Bild 3 Jahre direkt an ein Südfenster gehängt, keine Veränderung der Farben.
      Aber hat schon einer einen Bild gegen Bild Test gemacht, also das gleiche Motiv einmal Digital weiterverarbeitet und einmal Analog?
      Zudem wäre es auch für den Drucker besser, wenn er regelmässiger genutzt würde.
      Wie sind da eure Erfahrungen?
      Bitte keine Vermutungen sondern nur wenn man es selber ausgetestet hat. Vermutlich werde ich sowieso nicht drum rum kommen es selber auszutesten.

      LG Armin
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    • Hallo Armin,

      das ist eine grosse Frage. Ob Dir meine Erfahrung hilfreich sein wird, weiss ich nicht. Ich arbeite jetzt aber schon ein paar Jahre so und versuche bei Gelegenheiten (Ausstellungen, Messen) mir einen Eindruck von der Qualität der Verfahren zu verschaffen.

      Als ich nach ein paar Jahren Unterbruch wieder mit dem Fotografieren anfing und nach einem kurzen Ausflug in die digitale Fotografie wieder Filme belichtete, entschied ich mich für den hybriden Weg. Obwohl die Dunkelkammer mit 4x5" Vergrösserer (Jobo LPL 7451) immer noch vorhanden, aber inzwischen zu einer Abstellkammer mutiert ist.
      Aus Platzgründen beschränkte ich mich beim Abziehen von Negativen auf das Format 24x30 cm. Ganz selten machte ich 30x40 cm Abzüge. Das ist ja in etwa vergleichbar mit der Grösse A3. Also habe ich mich für einen Epson Stylus PHOTO R2880 Drucker und zum scannen einen Epson Perfection V850 pro entschieden.
      Weil ich nie ein wirklich guter Fotolaborant war, sind die Prints mit dieser Gerätekombination für mich sehr zufiedenstellend.
      Einen unmittelbaren Vergleich von einem Silbergelatine- Abzug und einem Ausdruck vom gleichen Negativ hatte ich noch nie vorliegen. Mein Eindruck aber ist, und da werde ich wohl kaum der Einzige sein, ein guter oder gar perfekter Abzug auf Barytpapier ist im Eindruck von Tiefe und dem subtilen Glanz nicht mit einem Tintenstrahldruck vergleichbar. Die Schwärzen haben eben nicht dieses mysteriöse Dunkel. Bei den hellen und weissen Stellen, wo keine Tinte aufgespritzt wird, gefallen mir Prints aus dem Drucker auch nicht immer sonderlich gut.

      Was aber nicht zuletzt für mich ein entscheidender Vorteil ist, ist der ganze Arbeitsablauf. Die Arbeit im Labor kenne wohl alle hier. Die ist recht aufwändig. Das macht nichts, wenn man die Zeit für diesen Aufwand hat. In jungen Jahren war es für mich einfacher diesen Aufwand zu betreiben. Oftmals war es eine zehn oder zwölf Stunden Schicht im Labor. Mittlerweilen ist es für mich einfacher an einem Sonntagnachmittag ein paar Negative einzuscannen und dann später den Scan zu bearbeiten. Dieses Prozedere kann ich auf beliebig viele Male aufteilen. Wenn es nicht gut läuft oder ich nicht mehr mag, speichere ich das Bild einfach ab und mache an einem anderen Tag weiter.

      Freundliche Grüsse, stephan
    • Vorab: Vergleich Silbergelatineabzug vs Pigmentprint kann ich auch nicht liefern.

      Ansonsten bin ich ziemlich heftig auf dem Hybridtrip - genauer: Ich mag Bilder, die groß genug sind, um etwas darauf erkennen zu können. Das sind für mich mindestens 30x40. also ungefähr A3. Diese Größe ist chemisch schon etwas unhandlicher. In Farbe finde ich es händisch illusorisch. Dann kommt noch die Frage der berüchtigten Probestreifen dazu. Schlicht gesagt, das geht mit einem anständigen Hybridworkflow wesentlich unproblematischer.

      Ich bin mit meinen Bildern zufrieden. Sie werden -jetzt! - so, wie ich sie haben will. Natürlich sieht man, dass es ein Pigmentdruck ist; das ist die typische Frage der Oberflächenstruktur. Man muss da auch ein Papier finden, das den eigenen Ansprüchen genügt. Das ist der schwierigste Teil, zumal dann ja noch die Kalibrierung/Profilierung dazukommt. Ich denke mir, dass man mit "Fineart-Papieren" zu sehr guten Ergebnissen kommen kann. Das ist auch wieder Geschmackssache; mir sind die teilweise von der Struktur her zu aufdringlich, und Canvas mag ich garnicht. Wenn man allerdings Bilder aus einem schicklichen Abstand betrachtet, wird man normalerweise recht wenig Unterschiede zwischen Silber/Pigment finden.

      Das hybride Arbeiten ist für mich ohnehin unverzichtbar, aus den schon mehrfach erwähnten Platzgründen. Und ja, einen Drucker/Plotter sollte man betriebsfähig halten, sonst verschwendet man viel Tinte für die Reinigung. Einmal pro Woche ein schmaler Testprint über die gesamte Breite (bei Rollenpapier) hilft, bei Einzelblättern A4.

      Was mich auch von silberbasierten Fotopapieren abhält, ist die inzwischen sehr klein gewordene Auswahl an Papieren und Oberflächen.

      Ein weiterer Faktor, der mich immer mehr irritiert, ist die Erstellung neuer Abzüge. Sieht man häufiger in Ausstellungen. Die unterscheiden sich ganz erheblich von den so genannten Vintageprints. Das ist mir vor Kurzem in einer Sander-Ausstellung in Koblenz wieder aufgefallen. Da haben wirkliche Fotoexperten neue Vergrößerungen auf echtem Fotopapier angefertigt, sicher nach allen Regeln der Kunst. Den Charme bzw. die Anmutung der alten Vergrößerungen hatten die nicht. Der Papiergrundton ist anders, der Silbergehalt der Emulsion mag anders sein etc.

      Lebensdauer von Pigmentdrucken ist kein Thema. Cibachrome (hatte ich mal im Büro hängen), eigentlich ausgesprochen stabil, bleicht schneller aus als ein Pigmentdruck. Ok, ist Farbe. Bei SW mag das anders sein. Im Übrigen halte ich auch die ganze Pigmentdruckerei für umweltfreundlicher als Fotochemie, trotz des Plastikmülls der Patronen.

      Im Übrigen kann ich mich clickma/stephan ohne Einschränkung anschließen.

      Grüße, hp
      Al é bun sciöch' al é ...
    • Hallo Armin,

      ich arbeite sowohl rein analog als auch hybrid. Jede Arbeitsweise hat seine Vor- und Nachteile - ich finde aber, dass sie sich nicht gegenseitig ausschliessen.

      Je grösser die Filme als Vorlage bei der Hybridverarbeitung sind, umso einfacher ist die Weiterverarbeitung mit bezahlbaren Geräten. Ein Epson-Perfection-Scanner der V-Klasse erzeugt schon wirklich gute Dateien, wenn die Filme mindestens 4x5" Größe haben. Bis A2 lassen sich damit sehr gute Drucke anfertigen. Bei höheren Vergrösserungsfaktoren empfehlen sich dann bessere Scanner, z.B. Hasselblad/Imacons oder optimalerweise Trommelscanner wie der Heidelberg Tango oder Primescan.

      Für Farbe ist das in der Regel auch der einzige Weg, grosse Bilder anzufertigen, bei Diamaterial in Ermangelung von Cibachrome sowieso. Die wenigsten verfügen über RA4-Durchlaufmaschinen mit Einlaufbreiten von 50cm oder darüber (bzw. über Rohrsysteme/Expert Drums), so dass große Abzüge nur mit viel Aufwand in der Dunkelkammer erstellt werden können.

      RA4-Papier und Tintenstrahldrucke haben aber immer eine andere Anmutung und Farbumfang. Dasselbe gilt für SW-Pigmentdrucke und RC- bzw. Barytpapiere. Hält man die Ausdrucke in der Hand, wird man schon Unterschiede sehen. Sobald die Bilder aber gerahmt sind und unter Glas präsentiert werden, ist - bei guter Ausarbeitung - kein wesentlicher Unterschied zu erkennen.

      Einen Workshop zum Scannen mit verschiedenen Geräten (vom dedizierten Filmscanner über Flachbet- bis hin zu Trommelscannern) und der Hybridverarbeitung veranstalten wir in unserer PhotoKlassik Akademie Ende Februar 2020. Falls Du noch Entscheidungshilfe benötigst: hier zeigen wir verschiedene Wege zum Bild auf.
      eventbrite.de/e/photoklassik-a…aff=Grossformatfotografie

      Grüsse
      Andreas
      To infinity... and beyond!
    • Diesch wrote:

      Du könntest das bei mir sehen, komm doch zum Kaffee.
      Danke für die Einladung Dieter, wenn Bremen um die Ecke wäre, dann sofort!

      Andreas wrote:

      ich finde aber, dass sie sich nicht gegenseitig ausschliessen.
      Ja leider vom Platz Angebot her, in meinem Labor eben schon!
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    • Ich würde das etwas konsequenter voneinander scheiden.

      Für alles, was später digital weiterverarbeitet wird, würde ich von Anfang an digital arbeiten. Es gibt ja jetzt die Fuji GFX100, mit 100 MP - wieviel soll es denn jetzt noch werden? Das macht bei 300dpi 96x74 cm Kantenlänge im Print. Wozu da noch quälen mit schweren Kameras, voluminösen optischen Bänken, Filmkassetten, externen Belichtungsmessern, Zollstöcken, Lupen, Einstelltüchern, Wind, Wetter, Staub, Scannern ... Wenn man sowieso photoshoppt, an teuren, kalibrierten Macs, spart man sich einen Haufen Einscan- und Nachbearbeitungszeit, und für die Umwelt ist es auch besser, weil der Rechner ja schon da steht.

      Für alles, was anfangs analog sein soll, dann auch die analoge Ausarbeitung. Wegen der händischen Anmutung, dem analogen Prozess, der Art und Weise des Herstellens eines Bildes.

      Aber hybrid: das ist nicht Fisch, nicht Fleisch, und auf einen grünen Zweig kommt man da auch nicht.
    • lohi wrote:

      Aber hybrid: das ist nicht Fisch, nicht Fleisch, und auf einen grünen Zweig kommt man da auch nicht.
      Das ist deine enge Sicht der Dinge, jedem das seine. Aber ich werde schon noch paarmal drüber schlafen!
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    • johnars wrote:

      wenn Bremen um die Ecke wäre
      Hinter Glas sehe ich keinen Unterschied, zumal ich ja für den Digitaldruck eine Farbtendenz/Papiercharakteristik (Warmton z.B.) jederzeit einstellen kann.
      Mein Drucker hat zu jeder farbe noch die Variante einer stark aufgehellten Farbe. So werden helle Stellen nicht über ein Raster erreicht. Man muß sich seh vielMühe geben, ein Druckraster zu erkenne.
      Ich habe auch Vergrößerungen auf RA4 Papier gemacht (vom Farbnegativ - Kodak Papier). Bei einem Druck kann ich auch für Farbe das gleiche Papier nehmen wie für SW: 300g/m2 und barytiert.
    • Bern: Foto Zumstein hat da SW-Digitalbilder von einem Skifotografen im Schaufenster, der hat Tiefschneeabfahrten abseits der Piste gefötelt.

      Erstmal muss sein Apparat eine MegaISO haben, um Bewegung mit entsprechenden Zeiten einfangen zu können. Vom Scharfstellen ganz zu schweigen. Wozu Scheimpflug, wenn wegen der geringeren Sensorgröße im Vergleich zu 4x5 kürzere Brennweiten möglich sind? Wozu dann ein Stativ, wenn außer dem Wegfall des Schärfeebeneneinstellens ja auch größere Blenden verfügbar werden? Und dann ist da ja auch noch der Autofokus. Es ist keine Schande, Autofokus zu benutzen. Großformatler benutzen auch Einstellhilfen, von der Lupe über die Tiefenschärfentabelle zum Messucher zur Sinar-Kalkulation an der Standarte.

      Zweitens stimmt da vom Licht her alles. Ansel Adams hätte angesichts dieser wundervoll stäubenden Kristalle im Gegenlicht umgesattelt auf digital, oder er hätte Kodak dazu überredet, für ihn eine entsprechende Kamera zu entwickeln. Allein schon, um schneller die Position wechseln zu können. Mit einer Sinar ist das im Gebirge doch eher mühsam. Selbst mit der Intrepid ist alles vorbei, bevor man die Filmkassette eingelegt hat. Und das gilt auch für Wetter oder Licht.

      Drittens sind die Vergrößerungen makellos. Lupenreine Prints auf allerfeinstem Papier, mit einer volledlen Anmutung, ohne die bei Baryt üblichen Knicke, Schrammen, Wellen, die man nur durch Heißaufziehen, also mit brutalem Zwang wegkriegt.

      Viertens die Tonwerte: der streulichtlose Print aus dem Drucker zeigt mit seinen echtschwarzen Pigmenten eine ganz andere Brillianz als der projizierte Print auf Silbergelatine.

      Fünftens die generelle Qualität des optischen Systems, hochauflösend, superfein, akkurat, und dann auch noch fehlereliminierend: heute habe ich die Bilder vom ZPK in Bern entwickelt, und auf einigen hat es Vignettierungen, die ich beim Höherverstellen der Frontstandarte übersehen habe.

      Auch ich bleibe in der Regel mittlerweile bei 30x40cm, ein handliches Format, noch bezahlbar, noch gut wässerbar. Ich bräuchte eigentlich nur Mittelformat. Die Braunika S2a würde reichen, die Mammi Presst oder die Futschi GL690. Ich habe auch gar nicht die Wände für größere Bilder.

      OK, für so eine Kamera wie die GFX hätte ich ja eigentlich auch gar keine Kohle. Wozu auch: die Linhofs, Horsemans, Sinare usw. fliegen aktuell tief und in Scharen.

      OK nochmal, Farbflm bringt mehr oder weniger, bessere oder schlechtere, intensivere Farben als Digital. Aber dazu muss man den Film erst mal entwickeln, und das ist nicht ohne. Man braucht Apparaturen. Die braucht man beim Digitalen zwar auch, aber die Prozesse sind anders, weniger komplex. Ein RAW auszuentwickeln, benötigt kein präzises Themostat, keinen Wasseranschluss, kein staubfreies Trocknen usw., sondern nur ein Programm, mit dem man später sowieso weiterarbeiten würde, arbeitete man hybrid.

      Aber ich denke: rein technikevolutionär und unter dem Aspekt der Bildqualität als Summe aus Schärfe, Kontrast, Feinzeichnung, Tonwertumfang, Standpunkteinnahme usw. kann analoges GF im Vergleich zu digitalem MF mittlerweile nur verlieren.

      Was aber nicht heißt, dass die alte analoge Technik etwa obsolet wäre, im Gegenteil. Ich selber neige aber dazu, sie konsequent zu nutzen, d.h. nicht hybrid. Es ist einfach ein gutes Gefühl, etwas von Hand aufzunehmen und auszuarbeite: die "Gegenstandshabe" als zur synthetischen Einheit gebrachte Mannigfaltigkeit in der Anschauung, wie Kant sagen würde, schon unter dem Dunkeltuch, auf der Mattscheibe, wofür dann die handhabbare Planfilmkassette die Metapher stellt.
    • Die Anmutung eines Bildes, entstanden mittels Silberhalogeniden, ist mit der digitalen Aufnahmetechnik nicht nachahmbar. Aber mittels hybriden Prozesses weitgehend reproduzierbar. Das wird im Druck von Fotobüchern schon lange auf dem digitalen Weg so gemacht.
      Seit einiger Zeit arbeite ich vor allem auf Film. 4x5" und auf Rollfilm. Anstelle des nicht mehr erhältlichen Polaroidmaterials mache ich die Testbilder mit der Nikon D800. Zusammen mit dem alten Nikkor 1,4/85 mm ergeben sich bei Portraits qualitativ bemerkenswerte Bilder. Trotzdem bevorzuge ich die auf Film entstandenen Bilder. Sie gefallen mir einfach besser, ohne dass ich jetzt meine subjektiven Kriterien darzulegen vermag.

      Was für mich auch noch dazu kommt, ist meine Liebe zu alten Objektiven, die ich ohne allzu grossen Aufwand an die Sinar adaptieren kann. Da hilft noch der Hinterlinsenverschluss, den es für die Sinar gibt in enormen Masse. Diese Objektive an eine Fuji GFX100 zu adaptieren dürfte weitaus aufwändiger sein. Armin hat in seinem Schrank auch einige alte Perlen, die er sicher weiter verwenden will.
      Was auch immer wieder unbeachtet bleibt, ist der Abbildungsmassstab. Der Sensor einer Fuji GFX100 ist noch nicht mal so gross, wie das kleinste Mittelformat von 4,5x6 cm. Der Abbildungsmassstab hat sehr wohl einen Einfluss auf das Bild.

      Da Armin nach Erfahrungen mit dem hybriden Arbeitsprozess gefragt hat, dürfte die Frage nach Fisch und Fleisch nicht relevant sein. Und auf einen grünen Zweig kann man mit dieser Arbeitsmethode sehr wohl kommen. Dazu hat sie noch den Vorteil, dass man immer noch einen Silbergelatineabzug auf dem fotochemischen Weg im Labor machen kann. Ein digital erzeugtes Bild kann man auch als Negativ ausdrucken und damit dann einen Silbergelatineabzug machen. Das dürfte dann aber wirklich weder Fisch noch Fleisch sein. Ausser bei alternativen Printtechniken. Da habe ich schon bemerkenswerte Ergebnisse gesehen.

      Freundliche Grüsse, stephan
    • Clickma wrote:

      Was für mich auch noch dazu kommt, ist meine Liebe zu alten Objektiven, die ich ohne allzu grossen Aufwand an die Sinar adaptieren kann. Da hilft noch der Hinterlinsenverschluss, den es für die Sinar gibt in enormen Masse. Diese Objektive an eine Fuji GFX100 zu adaptieren dürfte weitaus aufwändiger sein. Armin hat in seinem Schrank auch einige alte Perlen, die er sicher weiter verwenden will.
      Was auch immer wieder unbeachtet bleibt, ist der Abbildungsmassstab. Der Sensor einer Fuji GFX100 ist noch nicht mal so gross, wie das kleinste Mittelformat von 4,5x6 cm. Der Abbildungsmassstab hat sehr wohl einen Einfluss auf das Bild.
      Es gäbe durchaus kleinere Kameras auf optischer Bank oder ähnliche Systeme, an die man MF-Sensoren oder ganze Kameras montieren kann, hinten, und vorne Objektive aller Art, wie z.B. die (hochpreisige) Linhof M679cs oder die Hasselblad V Flexbody. Kann man nicht sogar die Sinar mit einem Sensor bestücken?

      Ich denke ja auch, dass analoge Filmbilder ihre Berechtigung haben. Nur wenn ich mir vorstelle, jedes Filmbild digitalisieren zu müssen und von beiden Techniken immer wieder das jeweils mühseligste durchnehmen zu müssen - genaue Filmentwicklung in engen Toleranzen, genaue RAW-Verarbeitung an einem kostspielig ausgestatteten Computer -, dann törnt mich das eher ab. Vielleicht kommt es auf den Produktionsumfang an. Bei sechs Bildern in der Woche ist das ja vielleicht noch ok.
    • Es gibt sogar die Sinar P3, mit von Sinar herausgebrachten Digitalrückteilen. Das dürfte nicht das Problem sein. Das ändert aber nichts an der Problematik, oder besser der Frage des Abbildungsmassstabes. Der Bildeindruck eines Objektivs mit 180 mm Brennweite ist nun mal auf einem 6x7 cm Negativ anders, als auf einem 4x5" Negativ.

      Oder um weiter auf diesem Thema herum zu reiten:
      Das Beispiel der 180er Brennweite nahm ich, weil ich zwei Schätzchen mit dieser Brennweite habe. Das eine ist ein Steinheil Triplar von 1936 und das andere ein Voigtländer Heliar von 1907. Beide leuchten ohne Verstellungen 4x5" aus. Ich kann aber auch eine Rollfilmkassette, mit meinem bevorzugten Format von 6x7 für die Aufnahme verwenden. Mit einem Digitalrückteil kann ich nie und nimmer das Format 4x5" belichten. Ich weiss die Grössen von Digitalrückteilen nicht auswendig. Aber sie sind reichlich klein.

      Die exorbitanten Preise für Digitalrückteile lassen wir jetzt mal aussen vor. Für mich kämen sie ohnehin nicht in Frage.

      Aber das alles hat mit der Frage nach dem hybriden Arbeitsprozess nichts zu tun
    • Diesch wrote:

      Clickma wrote:

      Aber das alles hat mit der Frage nach dem hybriden Arbeitsprozess nichts zu tun
      Wohl war, und das davor noch viel weniger.
      Hmm. Vielleicht aber doch.

      Also wenn ich das richtig verstehe, wäre ein Argument für Hybrid, dass man alte Objektive mit Ausleuchtung für 4x5 nutzen kann, und Film, und damit ein Aussehen erzeugt, das mit Digital nicht erzeugbar wäre.

      Kern des Argumentes ist, dass ein digitaler Sensor nicht die Fläche eines 4x5-Planfilms hat, dass also "gecropt", das Bild also an den Seiten stark beschnitten würde.

      Wenn ich jetzt so überlege, gab es durchaus auch Objektive mit kürzerer Brennweite und mit kleinerem Bildkreis, die man z.B. vor einen FX-Sensor oder einen MF-Sensor bringen könnte, z.B. ein unvergütetes 75er Tessar oder ein älteres Elmar mit 50mm.

      Ich hatte das früher mit Zuikos an der E300 gemacht, heute mit Nikkoren an der D2x, aber man könnte das auch mit den besagten älteren Linsen ausprobieren.

      Was mich nur immer nervt bei diesen Versuchen, und das fängt schon mit dem geliebten Mikro-Nikkor 3.5/55 am Balgengerät an, das ist, dass das Vor und Zurück der Optik vor dem Sensor Staub in dessen Richung pumpt, der sich ablagert, sobald der Verschluss aufgeht. Das ist bei der D2x echt ätzend. Das Problem gibt es beim GF ja auch, weshalb ich Kameras bevorzuge, bei denen das Objektiv an der Frontstandarte bleiben kann, wenn man das Gerät transportiert.

      Jedenfalls könnte man, denke ich, die Charakteristika alter Objektive auch mit Digitalkameras nutzen.
    • Bei großen Aufnahmeflächen benutzt man Objektive längerer Brennweite - das eröffnet Möglichkeiten der Gestaltung mit der Schärfe, die es bei kleinen Flächen und zugehörigen kurzen Brennweiten nicht gibt. ( -> Großformat )
      Das von mir angestrebte Aussehen der Fotos bekomme ich bei der Verwendung von Film automatisch mit - es ist nicht von ungefähr, daß SilverEffecs so erfolgreich ist - analoge Fotos sehen einfach besser aus. ( -> analoge Fotografie )
      Ich bevorzuge den materiellen Träger für die Aufbewahrung.( -> analoge Fotografie )

      lohi wrote:

      Charakteristika alter Objektive
      Das halte ich eher für ein Nischenthema, genau wie die Verwendung von Glasplatten und das Bedrucken von Künstlerpapieren.
    • Diesch wrote:

      Bei großen Aufnahmeflächen benutzt man Objektive längerer Brennweite - das eröffnet Möglichkeiten der Gestaltung mit der Schärfe, die es bei kleinen Flächen und zugehörigen kurzen Brennweiten nicht gibt. ( -> Großformat )
      Das von mir angestrebte Aussehen der Fotos bekomme ich bei der Verwendung von Film automatisch mit - es ist nicht von ungefähr, daß SilverEffecs so erfolgreich ist - analoge Fotos sehen einfach besser aus. ( -> analoge Fotografie )
      Ich bevorzuge den materiellen Träger für die Aufbewahrung.( -> analoge Fotografie )
      Zur Schärfe: das Ziel vieler GF-Fotografen, insbesondere in diesem Forum, ist eine umfassende Schärfe. Das schließt fette Stative, hochauflösende Objektive, teure Lupen, entsprechende Filme und Entwickler und sogar Blitzlichtanlagen zum Zeit- und blendenoptimierten Ausleuchten ein. Nur wenige nehmen sich z.B. eine FKD mit Industar und arbeiten mit Offenblende vom klapprigen Holzstativ herab. Ich glaube nicht, dass die Workshops von Linhof in Richtung Unschärfe und selbstreflexive Medienthematisierung gehen oder je gingen. Ich weiß auch nicht, ob gewerbliche Fotografie mit sowas durchkäme.

      Ich für mich mag sowas ja, als künsterische Fotografie, und damit meine ich nicht den Piktorialimus, sondern z.B. die amerikanische Westküstenfotografie der die deutsche Sachlichkeit, ebenso die französische Linie. Aber von Haus aus bin ich da auch recht kritisch. Wenn ein Bildfehler einfach keinen Sinn macht im Ganzen, also wirklich ein Defizit im Konzept ist, bin ich ganz Platonist und setze die Idee gegen den realisierten Endzustand, was natürlich brutal ist. Aber das machen viele so: wenn eine Störung der Bildübertragung ungewollt erscheint, werten sie das Bild gegenüber dem vermeintlichen Bildgedanken ab. Ihr könnt noch so aufregende Architektur fotografieren: wenn es ein Staubkorn oder einen Strömungsstreifen m Negativrand gibt, werden die Leute das bemäkeln.

      - Das heißt im Umkehrschluss, dass eine Optimierung der Bildübertragung durchaus notwendig werden kann. Und da sollte man sich durchaus überlegen, die Bildherstellung einfach zu halten.

      Ein optimierter, dh. vereinfachter Weg ist der Einsatz einer mittelformatigen Digitalkamera mit fest montierten und auf den Sensor optimierten Linsen in festem Gehäuse, das transportabel wird und hohe ISO-Zahlen bei sehr guter Abbildung bietet. Das wird an den optimierten Computer angeschlossen, der ordentlich kalibriert ist und Rechenleistung bringt. Sodann wird mit Hilfe kalibrierter Profile gedruckt oder ausbelichtet, vor Ort oder beim Dienstleister, zu erschwinglichen Preisen, ohne Dunkelkammermiete zu zahlen und Material vorzuhalten.

      Ich bin ja nicht gegen GF. Sonst wäre ich ja nicht hier. Aber GF am Computer weiterzuverarbeiten, finde ich ätzend. Ich habe ja schon immer den Hals, wenn ich meine Bilder hier zeigen möchte. Mein Sensor an der D2x hat mal wieder Staub drauf. Es kotzt mich an. Und dann das Stitchen, wenn man mal mehr Megapixel möchte, indem man das 4x5-Negativ in, was weiß ich, 12 Einzelaufnahmen abfötelt. Das törnt mich so dermaßen ab, dass ich schon gar nicht damit anfange.

      Ich mache immer den Kindertest, denn ich bin ja Hobbyist: wenn die Kinder mitmachen können und selber vergrößern dürfen, dann ist es wertvoll. Wenn sie aber neben dem Computer warten müssen und dem Pappa zugucken sollen, was diesen natürlich extrem nervt, weswegen er sie wegschickt: dann ist das öde.

      Aber jeder wie er will, klar. Wenn ich Zeit habe und meine Leidenschaft nicht (mit)teilen möchte oder muss, ist das auch ok. es kann durchaus befriedigend sein, mit Hybrid Spitzenergebnisse zu realisieren, ohne Kompromiss in Zeit und Aufwand.

      Zur Materialität bzw. Langzeitarchivierung: wer von Euch benutzt Azetathüllen? Meine, die ich vor 20 Jahren benutzte, lösten sich vor einiger Zeit auf. Sie verflüssigten sich. Ruinierten die Negative. 1a-Hama-Ware. Seitdem nehme ich nur noch Pergamin.

      Wer Langzeitsicherheit will, sollte seine Bilder vergrößern, sei es analog auf Barytpapier, sei es digital mit einem gescheiten Drucker. Damit man sie überhaupt als Bilder erkennt und anschauen kann. Wer weiß, ob es in 100 Jahren noch Vergrößerer gibt, oder Fotopapier. Von vielen altmeisterlichen Grafikern sind eben gerade keine Druckplatten mehr, sondern nur noch die fertigen Drucke erhalten (Dürer, Rembrandt ...).
    • Und vom Preis her? Was kostet dich ein Druck in deinem Drucker?
      Ich habe keinen Drucker und muss Digitalbilder ins Labor geben. Da habe ich für einen Digitalbildabzug in 30 cm Kantenlänge auf mattem barytähnlchem Papier im Probfilabor mal eben kurz 50 Euro gezahlt. Selbst ein Billiglabor wollte für die Qualität noch 39 Euronen plus Versand. Das ist analog wesentlich günstiger : )
      Noch deutlicher wird der Unterschied bei großen Formaten. Ich habe hier einen rein analogen Abzug auf Baryt aus einem Profilabor in 100 cm Kantenlänge. Der hat mal eben kurz 250 Euro gekostet. Für das Geld bekomme ich bei Foma eine ganze Rolle Papier mit 1x10 Meter plus kübelweise Chemie und am Schluss bleibt noch genügend Geld für ein lauschiges Abendessen zu zweit übrig : )
    • Schwarzweißseher wrote:

      Und vom Preis her? Was kostet dich ein Druck in deinem Drucker?
      Bei A2 je nach Papier/Tintenverbrauch schätze ich jetzt mal zwischen 8-20 SFR. Da ich mir bewusst einen Drucker mit relativ grossen Tanks gekauft habe.
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    • johnars wrote:

      Schwarzweißseher wrote:

      Und vom Preis her? Was kostet dich ein Druck in deinem Drucker?
      Bei A2 je nach Papier/Tintenverbrauch schätze ich jetzt mal zwischen 8-20 SFR. Da ich mir bewusst einen Drucker mit relativ grossen Tanks gekauft habe.
      Der muss brennen. So ein Gerät braucht Durchsatz, sonst geht alles für die Düsenpflege drauf. Wenn Du zwischenzeitlich aber 4x5-Negative digitalisierst und ausarbeitest, verlierst Du zuviel Zeit ...

      Was ein Argument wäre für Volldigital.

      Schwarzweißseher wrote:

      Und vom Preis her? Was kostet dich ein Druck in deinem Drucker?
      Ich habe keinen Drucker und muss Digitalbilder ins Labor geben. Da habe ich für einen Digitalbildabzug in 30 cm Kantenlänge auf mattem barytähnlchem Papier im Probfilabor mal eben kurz 50 Euro gezahlt. Selbst ein Billiglabor wollte für die Qualität noch 39 Euronen plus Versand. Das ist analog wesentlich günstiger : )
      Noch deutlicher wird der Unterschied bei großen Formaten. Ich habe hier einen rein analogen Abzug auf Baryt aus einem Profilabor in 100 cm Kantenlänge. Der hat mal eben kurz 250 Euro gekostet. Für das Geld bekomme ich bei Foma eine ganze Rolle Papier mit 1x10 Meter plus kübelweise Chemie und am Schluss bleibt noch genügend Geld für ein lauschiges Abendessen zu zweit übrig : )
      Was ein Argument wäre für Vollanalog.