"Fremd bin ich eingezogen ..."

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    • "Fremd bin ich eingezogen ..."




      "Fremd bin ich eingezogen,
      Fremd zieh' ich wieder aus.
      Der Mai war mir gewogen
      Mit manchem Blumenstrauß.
      Das Mädchen sprach von Liebe,
      Die Mutter gar von Eh', -
      Nun ist die Welt so trübe,
      Der Weg gehüllt in Schnee ..."

      Schubert, Winterreise, 1. Lied

      So, damit ich jetzt auch mal dieses Forum hier verhunze ;)

      Klagt nicht über das Wetter. Dieses Jahr im Frühling. Es taute. An den Siebenhengsten gegenüber donnerten schnuckelige Lawinchen im Minutentakt herab. Das Stativ stand auf Skitellern, ich selbst gurkte mit Schneeschuhen durch die Landschaft und hielt mich mit Thermoskannentee warm.

      Dem Himmel fehlt, wie dem Schnee, die Strahlkraft. Klar, es war bedeckt. Da ist nichts mit Glitzern. Alles hellgraue Spachtelmasse. Die herausforderung liegt m.E. darin, dann trotzdem noch was Visuelles zu finden, und das sind hier die Bäume, die grafischen Strukturen.

      Aufgenommen wurde mit Rollei Ortho 25@16, entwickelt in R09 1+100 für 10 min bei 20°C, 30/30-5-Bewegung. Dieser Film vergibt nichts. Bzw. fördert die Gipsigkeit. Anders wäre es bei Gegenlicht, bei Schneeglitzern: das bringt er gut raus. Aber Atmosphäre verdichtet sich gerne zu einem ordentlichen Sfumato. Wieder was gelernt.

      Das Bild wurde mit der D2X abfotografiert. Ich gebe es ehrlich zu: ich kann das nicht so mit der EBV. Ich weiß nicht so recht, wie ich invertieren, schärfen, Gamma einstellen, kurven, kontrastieren, abwedeln, nachbelichten soll. Macht doch mal einen Kursus hier im Forum. Eine Verfahrensanweisung!

      Im Labor geht das besser: da nehme ich das Papier, das ich kenne und belichte nach, wedele ab, splitte die Belichtung in Gradationen, mit denen ich kontrastiere oder Lichter weich auffülle, und das war's.

      Deshalb mache ich mittlerweile privat immer weniger digital. Meine D2X, die schuftende Bestie, die ich mir weiland für die kunsthistorische Bestandsaufnahme, Architekturaufnahmen, für Makroaufnahmen von Farbaufträgen auf der Leinwand, für Portaits von Kunstschaffenden, für Generierung von Webcontent usw. angeschafft habe, funktioniert immer noch, und deswegen kann ich auch nicht mit hochauflösenderen Bildern aufwarten, wie sie vielleicht ein teurer Scanner oder eine D5 oder D810 liefern würde.

      Dafür kommt die 1050er-Jahre-Linhof-Ästhetik ganz gut raus. Interessant ist auch der Schneeeinfluss auf die in ihm sich befindlichen Objekte, man vgl. den Baum rechts. Der hat am unteren Stamm eine Zone mehr Licht als in der Krone.

      Das Bild wurde mit einem Sekonic L-28c-Belichtungsmesser gemessen, also mit Lichtmessung, mit der Kalotte nach oben zum Himmel. Nichts mit Zonensystem. Warum Lichtmessung? Die Kontrate sind eh zu hoch, dachte ich, und mir kommt es ja auf grafische Wirkung an. Dass der in R09 1+100 weichgeklopfte RO 25 dann doch noch Zeichnung zeigt: phänomenal!

      Aber: den Rollei Ortho 25 habe ich mal getestet mit der Stouffercard, aber das erbrachte bei 10 Min Entwicklung eine effektive ISO 6 - da schweigen dann viele Belichtungsmesser, insbesondere mit einem Grüngelbfilter vor der Kamera, den der Film sehr dankbar annimmt. Dazu aber zeige ich gleich noch ein paar Bilder, in einem anderen Thread.
      »Zwölf gute Fotos in einem Jahr sind eine gute Ausbeute.«
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