Alte Großformatobjektive wert gerettet zu werden?

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    • Alte Großformatobjektive wert gerettet zu werden?

      Hallo Forum,

      ich bin begeisterter Mittelformat-Fotograf und immer auf der Suche nach interessanten Kameras. Am Wochenende fiel mir auf einem Flohmarkt eine alte Mentor Klappreflex mit mehreren Objektiven in die Hände die ich nach kurzer Recherche im Internet erwarb, da mir der Preis von 300E für gut erschien.
      Sie stand wohl Jahrelang im Keller sieht aber von Außen noch sehr gut aus. Auf die Objektive trifft das leider nicht zu.

      An Objektiven dabei war:
      Zeiss Jena Tessar 13,5cm 6.3 (was scheinbar das Ursprungsobjektiv der Kamera war)
      2 Goerz Berlin Dogmar 16,5cm 4.5 und 15cm 4.5
      Voigtländer Braunschweig Heliar 18cm 4.5
      Voigtländer Ultragon 11,5 5.5 (gehörte wohl nie auf die Kamera)

      Ich hatte nun begonnen etwas über die Objektive Nachzuforschen, leider kommt es mir so vor als wären die Informationen zu solch historischen Funden weit gestreut und nicht immer sehr eindeutig. Ich nehme an das die Dogmare eher für Sammler interessant sind und heute nicht mehr verwendet werden. Das Heliar scheint interessanter ist leider jedoch im Inneren sehr verdreckt.

      Das Objektiv das wohl am interessantesten sein könnte ist das Ultragon. Es steckt in einem Compur Verschluss und hat keine Kratzer. In inneren befinden sich jedoch mehrere Pilzauswüchse die jedoch hauchdünn sind und ich nehme an das es keine Qualitätseinbußen dadurch geben würde. Würde es sich lohnen dieses Objektiv in Reparatur zu geben? Kann es mit späteren Objektiven mithalten oder ist es eher etwas für Sammler (scheint ja selten zu sein). Wie kann ich seine funktionalität testen - alle Zeiten schießen, bei Bulk tut sich nichts und T kenne ich nicht und hatte es daher nicht getestet.

      Danke im Vorraus für Antworten!
    • Hallo,

      grundsätzlich gibt es viele Freunde der alten Objektive, die Du da gelistet hast; sowohl Sammler als auch Fotografen. Und, wie Du schon richtig erkannt hast, ist das Ultragon das wertvollste Objektiv davon. Aber auch ein gut erhaltenes Heliar 18 im Verschluss ist sein Geld wert. Ich würde Dir ganz klar raten das Ultragon reinigen zu lassen - das sollte meist gehen, wenn der Pilz sich noch nicht durch die Vergütung gefressen hat. Und wenn Du das zu jemanden schickst / bringst, wird er auch gleich den Verschluss mit warten, denke ich. Ihn hier (Herrn Schöbel vom Kameraservice Strunz in Rostock) kann ich empfehlen, habe dort eine Pilz-Entfernung und Verschluss-Wartung machen lassen.

      Und dann kannst Du die Objektive gerne hier oder auch in der Bucht anbieten, das lohnt sich in jedem Fall für Dich.

      Viele Grüße
      Christian
      Es wurde schon alles fotografiert – nur noch nicht von jedem.

      frei nach Karl Valentin

      'Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.'
    • Auch das Heliar würde ich reinigen lassen.

      Wir haben mehrere Brennweiten des Heliars für 9/12 und 13/18cm und speziell das größere ist auch heute noch im Einsatz, wenn auch nur zur Lehrlingsausbildung. Auch das Tessar ist ein schönes Objektiv, an der 9/12 aber leider nur höhenverstellbar bei Querformat. Ist aber trotzdem ein gesuchtes Objektiv. Die anderen kenne ich nur vom Namen her und kann dazu nichts sagen.

      Gruß
      Winfried
    • Im Grunde kommt es immer darauf an, was du für Bilder im Sinn hast. Die alten Objektive haben ihren eigenen Charakter. Für Portraits, Stills und Serie Noir Sachen eigenen sich die Teile hervorragend. Nicht umsonst gibt es mittlerweile zahlreiche Projekte, um bspw. alte Petzval Ojektive wieder aufleben zu lassen.

      Die Oldtimer haben oft einen geringeren Kontrast als moderne Objektive und sind durch die fehlende Beschichtung Streulicht anfälliger. Bei Farbe kann das dann schon auch zu Problemen führen.

      Pilze auf den Außenlinsen bekommt man gut mit Ethyl-Alkohol weg. Man sollte nur aufpassen, dass man nicht den Lack der Fassung ablöst. Ob der Verschluss verharzt ist hört/sieht man am besten wenn man die Sekunde einstellt. Ist diese zu lang ist der Verschluß verharzt und muss zum Service. Verharzungen lassen sich i.d.R. beseitigen. In der B-Einstellung müsste der Verschluss beim ersten Drücken öffnen und sich schließen sobald man den Auslöser wieder los lässt. In der T-Einstellung einmal drücken = Verschluß auf, zweites Mal = Verschluss zu.

      Gruss Sven.
    • Hallo Ihr alle,

      für mich sind alle genannten Objektive es wert, gereinigt und benutzt zu werden. Das 6,3-er Tessar verfügt über einen Bildwinkel von 70 Grad und hat, wie jedes der angeführten Objektive, seinen eigenen Charme. Photographieren ist doch zeichnen mit Licht. Auf das Bild hat das Licht und seine Bildwirkung den entscheidenden Einfluss. Nun ist Licht als solches nicht gut darstellbar, die Objektive sind hierbei im Laufe ihrer Entwicklung immer nüchterner geworden (oder eben kratzig - siehe Habla-Objektive von Fuji -grauenhaft). Gerade deshalb beschäftigen sich überraschend viele Photographen mit alten Objektiven, die hierfür nicht zu ersetzen sind. Nicht umsonst hat der japanische Kaiser einmal verfügt, daß er und seine Familie nur noch mit den Meisterobjektiv (Heliar) fotografiert werden dürfen (war damals noch die alte Heliar-Konstruktion). Hüte also die alten Objektive und lerne sie zu nutzen - Deine Fotografie wird sich verbessern!

      VG Thomas
      Der Fotograf zum Maler: Geiles Bild - mit welchem Pinsel gemalt?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Thomas Kreil ()

    • Danke für die vielen Antworten und die guten Tipps,

      ich habe grade eine 4x5 Linhof Kardan Color erworben und werde mich in Zukunft mal im Großformat versuchen.
      Ich werde auf jeden Fall alle Objektive testen, da sie ja jetzt eh schon in meinem Besitz sind. Erstmal geht das Ultragon in Reparatur und es werden ein paar Objektivplatinen gesucht um die anderen Objektive auf die Kamera zu bekommen. Großformatkameras sind für den Anfänger wirklich verwirrend aber ich finde hier im Forum sicher genug hilfe um es zu schaffen

      Danke nochmal und einen schönen Abend!
    • Ja, Winfried, wir wissen beide, daß fotografische Fehler fast immer 10 cm hinter der Mattscheibe entstehen. Nur hat eben auch das Objektiv, auch gerade hinsichtlich seiner Konstruktion und nicht nur hinsichtlich seiner anderen Parameter einen heute vielfach unterschätzten bzw. nicht mehr bekannten Einfluss. Wenn man eben nur die Wahl zwischen dem einen hat, kann man natürlich nicht variieren. Und zeichnungsmäßig gibt es eben große Unterschied zwischen einem 6,3-er Tessar und dem genannte Heliar, vor allem, wenn beide Objektive nicht nach der Devise: "Blende 22 im Zimmer stimmt immer" verwendet werden.

      VG Thomas
      Der Fotograf zum Maler: Geiles Bild - mit welchem Pinsel gemalt?