Vermeiden der "Überkorrektur" bei Architekturaufnahmen

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    • renros schrieb:

      die wohltuende, "augenschmeichelnde", als harmonisch empfundene wirkung einer kleinen - absichtlichen! - perspektivischen "unkorrektheit" kannten bereits die griechen in der antike und haben den säulen vieler ihrer tempel eine nichtlineare krümmung verpasst (was bautechnisch ungleich komplizierter zu bewerkstelligen war als der bau eines stur geraden säulenkörpers!). in der architektur gibt´s sogar einen fachbegriff dafür: entasis.
      Grüß Dich!

      Unter Entasis vesteht man die Schwellung der Säulen, diese sind in der griechischen Architektur nämlich nicht geradelinig sondern kurvig konturiert. Konstruktion und Ausführung sind aber nicht wesentlich aufwendiger als bei geradliniger Ausführung. Die Schablone wird durch ein gekrümmt gespanntes Brett erreicht. Ich machte in zartem Alter eine Ausbildung zum Steinmetz / Bildhauer und war bei der Bearbeitung einer Säule bei der Anastylose am Trajaneum in Pergamon zugegegen. Mit der Neigung der Säulen nach innen, hat das aber nichts zu tun. Es gibt auch nicht geneigte Säulen mit Entasis. Es handelt sich dabei um einen weiteren optischen Trick.

      Was Du wahrscheinlich meinst, ist folgendes. Aus dem Versuch den dorischen Eckkonflickt (auch Triglyphenkonflikt genannt, einfach mal googeln) zu lösen (eine mathematische Lösung gibt es nicht) werden die Joche der Ecksäulen zunächst verkürzt. Dabei muß aufgefallen sein, daß die Tempelarchitektur nicht nur ausgewogener erschien, sondern auch eine gewisse Spannung erhielt. Der nächste Schritt war, weitere Joche zu verkürzen. Unter der Kurvatur des Tempels aber versteht man die nichtwaagerechte Ausformung von Unterbau (Krepis) und Gebälk (Architrav). Ein weiterer geometrischer Trick. Es wurde schon vermutet, die griechische Vasenmalerei (Malen auf gekrümmter Oberfläche also) sei inspirierend dafür gewesen. Einiges dessen, was am dorischen Tempel entstand, wird dann trotz des Fehlens des Eckkonfliktes an Tempeln anderer Ordnung übernommen.

      Dennoch geht Deine Anmerkung am Thema etwas vorbei: Es ging uns hier ja um eine möglichst "augengerechte" Darstellung in der Photograohie und nicht um eine Bauausführung. Denn all die von den Griechen angewandten Tricks nützen nichts bei der Abbildung eines Tempels - und davon könnte ich mehr als ein Liedlein singen ("Komm mit nach Lindenau, da ist der Himmel blau...)

      Wenn ich mir die Diskussion hier anschaue, frage ich mich allerdings, ob das Sehempfinden nicht individuell oder auch kulturell unterschiedlich ist. Zu diesem Thema kann ich die Schrift "Technisches Sehen" von Ernst Buschor empfehlen. Dürfte in jeder besseren Bibliothek verfügbar sein, ist aber nichts, was man sich zwischen Frühstückstoast und Zähneputzen schnell mal reinziehen kann. Zu den Tempeln allgemein Gottfried Gruben "Die Tempel der Griechen", hier wird auch sehr anschaulich die evolutionäre Entwicklung dieser Bauten dargestellt.

      Ich bitte, diesen etwas weitführenden Exkurs zu entschuldigen. Dieser hat mit Photographie nicht unmittelbar zu tun. Es geht aber um die Wahrnehmungspsychologie, die auch für uns hier wichtig ist und die, da es sich um ein alles andere als triviales Thema handelt, noch sehr wenig untersucht ist.


      Viele Grüße

      Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von cp () aus folgendem Grund: unendlich viele Tippfehler

    • johnars schrieb:

      Nur laut dem griechischen Reiseleiter in der Akropolis vor gut 2 Jahren hat der gesagt das die Säulen eine leichte Neigung nach innen haben um Erdbebensicherer zu sein!
      Da hat Dir der griechische Reiseleiter aber einen rechten Mist verzapft. Frag mal eine schweizer Steinmetzen, weshalb er Grabsteine in Hanglage nicht senkrecht sondern leicht geneigt aufstellt. Bestimmt nicht wegen der Erdbebengefahr im Kanton Luzern. Vielleicht bin ich ja auch bloß voreingenommen, meine Familie stammt nämlich aus Horw am Luzerner See, ist aber schon einige Jahrhunderte her. Jedenfalls würde ich dem Schweizer mehr Glauben schenken.

      Viele Grüße
    • Diesch schrieb:

      Perspektivisch unkorrekt ist die Parallelisierung der Filmebene mit einem Gebäude. Perspektivisch korrekt wäre der Verzicht auf jede Kameraverstellung.
      Das stimmt so nicht. Setze einmal ein für 4x5" gerechnetes Weitwinkelobjektiv an eine 8x10" kamera. Ganz unverstellt. Du kriegst ein kreisrundes Bild, den Ausschnitt realisierst Du dann mit der Schere - schnipp-schnapp: die Verzeichnung ist da. Ganz ohne Verstellung!

      Wenn wir von Perspektive reden, meinen wir, und auch Du, wenn ich Dich recht verstehe, die klassische Perspektive. Diese wird der Abbildung aber nicht immer gerecht. Tatasächlich gibt es in mathematischer Hinsicht unendlich viele Perspektiven. Welche Karte ist richtig? Die winkelgerechte oder die längengerechte. Käptn Blaubär wird die Frage anders beanworten als ein Autofahrer.

      Viele Grüße
    • cp schrieb:

      Da hat Dir der griechische Reiseleiter aber einen rechten Mist verzapft. Frag mal eine schweizer Steinmetzen, weshalb er Grabsteine in Hanglage nicht senkrecht sondern leicht geneigt aufstellt. Bestimmt nicht wegen der Erdbebengefahr im Kanton Luzern. Vielleicht bin ich ja auch bloß voreingenommen, meine Familie stammt nämlich aus Horw am Luzerner See, ist aber schon einige Jahrhunderte her. Jedenfalls würde ich dem Schweizer mehr Glauben schenken.

      Viele Grüße
      Leider habe ich die Verbindung zu einem Steinmetz Meister verloren, er ist weggezogen und vor allem arbeitet er nicht mehr als Steinmetz!
      Er hatte das als eine der neueren Erkenntnisse aus alten Schriften Kundgetan, wenn ich mich recht erinnere und er meinte das es vermutlich der Grund sei weshalb so viele Tempel trotz der vielen Erdbeben noch nicht vollständig eingestürzt seien!
      Aber kann ja durchaus sein, dass sich auch damals nicht alle einig waren, weshalb und warum und überhaupt!

      Horw ist schön am See gelegen, da hatte ich schon mal im Hotel Sternen food Fotos gemacht, war ein schöner Auftrag!
      Lass mich nicht dumm sterben, weshalb machen die Steinmetze eine Schräglage am Hang?
      Um gegen die Lawinen Gefahr gefeit zu sein;--)))

      Gruss nach Berlin Armin

      P.S. als gelernter Schreiner kann ich nur den link beitragen, wo schräge Tischbeine sich bewähren: facebook.com/323810961069620/v…NjoxODM1NTU3OTE2NTA2MTIx/
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von johnars ()

    • In meinem Beitrag ging es um den Konflikt zwischen einen natürlichen Bildeindruck (das ist so wie wir Objekte sehen) und einem einer Norm gehorchenden Bildeindruck (z.B. bei einem Schrägbild eines Körpers).

      Hier ein Beispiel für einen unnatürlichen Bildeindruck, der durch schräge Projektion entsteht (eine schräge Projektion haben wir ja auch bei der Parallelisierung der Bildstandarte zu einer Gebäudekante bei Untersicht):

    • johnars schrieb:

      Lass mich nicht dumm sterben, weshalb machen die Steinmetze eine Schräglage am Hang?
      Hallo Armin,

      das Grab selbst ist natürlich eben, das darum liegende Gelände steigt an. Wenn der Steinmetz den Grabstein nicht um ein paar Grad, das Maß hängt von der Steigung des Hanges ab, eine mathematische Formel gibt es keine, nach hinten kippt, sieht es so aus, als gäbe es in kürze sowas wie einen Bergsturz. Man empfindet den Stein als nach vorne kippend. - Und das vor dem Panorama des Pilatus. ;)

      Ganz ohne hügeliges Gelände hat man diesen Effekt auch bei hohen gerade stehenden Säulen. Sie scheinen vornüber kippen zu wollen und zwar umso stärker, je näher man ihnen kommt und je höher sie sind.

      Den klassizistischen Baumeistern war dieses Wissen, wie so vieles andere auch und wie auch schon vor ihnen den Römern, verloren und so wirken deren Säulenfronten oft fürchterlich "spröde", es wurde keine Kurvatur eingeplant, und auch so kopflastig auf den Beschauer hin kippend.

      Aber! - Weshalb sollte eine schief stehede Säule erdbebensicherer sein? Eine Verspannung mit dem Gesamtkorpus des Tempels? Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Solche Verspannungen gibt es im Steinbau nicht. Bei Holz und Stahlbeton sieht das schon etwas anders aus. Man darf nicht vergessen, daß diese Tempel ohne einen Tropfen Mörtel erbaut wurden. Ihre Stabilität erhielten sie durch mit Blei vergossene Metalldübel; bei früheren Tempeln waren es sogar nur Holzdübel.

      Viele Grüße
    • Da muss ich dir wieder sprechen, ich denke schon das eine leichte nach innen Neigung eine stabilisierende Wirkung bei Erschütterungen haben kann, es ergibt ja dann Kräfte die sich Gegenseitig aufheben!
      Und Erdbeben haben ja die Tendenz Gebäude auseinander zu reissen, das ist jedenfalls das was ich schon gesehen habe und mein Onkel der einige Erlebt hat auch bestätigt hat!
      Hast das Video mit dem Tisch angeschaut, der hält Felsenfest im Verhältnis zu seiner Grösse und den leicht schräg nach aussen gestellten dünnen Beinen, ich behaupte und ich weiss es sogar aus Erfahrung, um das gleiche mit senkrechten Beinen zu erreichen brauchst du viel dickere Beine und eine stärkere obere Verbindung!
      Und der sprach damals von einer Neigung von 1oder 2° je nach höhe mehr oder weniger!
      Mir jedenfalls würde es Sinn ergeben, mindestens solange bis einer kommt und das Gegenteil beweist!!

      LG Armin
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    • cp schrieb:

      renros schrieb:

      die wohltuende, "augenschmeichelnde", als harmonisch empfundene wirkung einer kleinen - absichtlichen! - perspektivischen "unkorrektheit" kannten bereits die griechen in der antike und haben den säulen vieler ihrer tempel eine nichtlineare krümmung verpasst (was bautechnisch ungleich komplizierter zu bewerkstelligen war als der bau eines stur geraden säulenkörpers!). in der architektur gibt´s sogar einen fachbegriff dafür: entasis.
      Grüß Dich!
      Unter Entasis vesteht man die Schwellung der Säulen, diese sind in der griechischen Architektur nämlich nicht geradelinig sondern kurvig konturiert. Konstruktion und Ausführung sind aber nicht wesentlich aufwendiger als bei geradliniger Ausführung. Die Schablone wird durch ein gekrümmt gespanntes Brett erreicht. Ich machte in zartem Alter eine Ausbildung zum Steinmetz / Bildhauer und war bei der Bearbeitung einer Säule bei der Anastylose am Trajaneum in Pergamon zugegegen. Mit der Neigung der Säulen nach innen, hat das aber nichts zu tun. Es gibt auch nicht geneigte Säulen mit Entasis. Es handelt sich dabei um einen weiteren optischen Trick.

      Was Du wahrscheinlich meinst, ist folgendes. Aus dem Versuch den dorischen Eckkonflickt (auch Triglyphenkonflikt genannt, einfach mal googeln) zu lösen (eine mathematische Lösung gibt es nicht) werden die Joche der Ecksäulen zunächst verkürzt. Dabei muß aufgefallen sein, daß die Tempelarchitektur nicht nur ausgewogener erschien, sondern auch eine gewisse Spannung erhielt. Der nächste Schritt war, weitere Joche zu verkürzen. Unter der Kurvatur des Tempels aber versteht man die nichtwaagerechte Ausformung von Unterbau (Krepis) und Gebälk (Architrav). Ein weiterer geometrischer Trick. Es wurde schon vermutet, die griechische Vasenmalerei (Malen auf gekrümmter Oberfläche also) sei inspirierend dafür gewesen. Einiges dessen, was am dorischen Tempel entstand, wird dann trotz des Fehlens des Eckkonfliktes an Tempeln anderer Ordnung übernommen.

      Dennoch geht Deine Anmerkung am Thema etwas vorbei: Es ging uns hier ja um eine möglichst "augengerechte" Darstellung in der Photograohie und nicht um eine Bauausführung. Denn all die von den Griechen angewandten Tricks nützen nichts bei der Abbildung eines Tempels - und davon könnte ich mehr als ein Liedlein singen ("Komm mit nach Lindenau, da ist der Himmel blau...)

      Wenn ich mir die Diskussion hier anschaue, frage ich mich allerdings, ob das Sehempfinden nicht individuell oder auch kulturell unterschiedlich ist. Zu diesem Thema kann ich die Schrift "Technisches Sehen" von Ernst Buschor empfehlen. Dürfte in jeder besseren Bibliothek verfügbar sein, ist aber nichts, was man sich zwischen Frühstückstoast und Zähneputzen schnell mal reinziehen kann. Zu den Tempeln allgemein Gottfried Gruben "Die Tempel der Griechen", hier wird auch sehr anschaulich die evolutionäre Entwicklung dieser Bauten dargestellt.

      Ich bitte, diesen etwas weitführenden Exkurs zu entschuldigen. Dieser hat mit Photographie nicht unmittelbar zu tun. Es geht aber um die Wahrnehmungspsychologie, die auch für uns hier wichtig ist und die, da es sich um ein alles andere als triviales Thema handelt, noch sehr wenig untersucht ist.


      Viele Grüße
      was ich mit meinen worten andeuten wollte:

      offensichtlich hatte man bereits in der antike die erfahrung gemacht, das stur senkrecht gebaute linien an bestimmten gebäudenformen/teilen ästhetisch nicht (mehr) zur damalig geläufigen rezeption passten. also haben die baumeister sich den trick mit der entasis ausgedacht. das gebäude sollte dadurch vielleicht dynamischer, himmelsstrebender wirken. immerhin handelt es sich ja um orte, die die transzendenz feiern, den göttern gewidmet sind. für so etwas strebt man gern maximale harmonie an.

      ich war letzte Woche übrigens auf dem münchner ostfriedhof: das riesige empfangsgebäude hat dutzende säulen. alle mit entasis. gestern auf dem opernplatz das gleiche gesehen: die säulen der oper auch nach oben verjüngend.

      ansonsten verweise ich gern auf das, was ich bereits im techniker-krankenkassen-thread schrieb:

      "es gibt leute, die da etwas erkennen, und dann gibt es die, die da nichts erkennen. scheint eine wahrnehmungssache zu sein. vielleicht auch ein widerspruch zwischen "orthodoxie" einerseits und "adaption an rezeption" andererseits."
    • Hallo Armin,

      bitte entschuldige meine verspätete Antwort! Aber Dein Einwandt beschäftigt mich: Zu einem schlüssigen Ergebnis bin ich bisher nicht gekommen, muß aber zugeben, daß die "Tischtheorie" doch so einiges für sich hat, wenngleich ich es mir nach wie vor schwierig vorstelle, so etwas in Steinbauweise zu realisieren, ist doch der Anteil der Bauelemente deutlich größer als bei einem Tisch. Ich werde mich auf diesem Gebiet aber auf jeden Fall weiter informieren und verfüge auch über ein oder zwei wirklich gute Ansprechpartner.

      Andererseits kann jeder den von mir beschriebenen "Taumeleffekt" bei gerade stehenden hohen Säulen beobachten (dazu geeignete klassizistische Gebäude finden sich ja fast allerorten) und auch der Trick mit dem leicht geneigten Grabstein stimmt so auf jeden Fall. Denkbar also, daß man aus der Schrägstellung gleich zwei Vorteile zog: Kurz! - Ich weiß es (noch) nicht, werde mich aber, wenn ich weitere Informationen habe, nochmals melden. Die Sache läßt mir nämlich so schnell keine Ruhe mehr.


      Tschüß
    • renros schrieb:

      "es gibt leute, die da etwas erkennen, und dann gibt es die, die da nichts erkennen. scheint eine wahrnehmungssache zu sein. vielleicht auch ein widerspruch zwischen "orthodoxie" einerseits und "adaption an rezeption" andererseits."
      Diese Vermutung habe ich auch! Ich frage mich sogar, inwieweit unterschiedliche Seherfahrungen kulturell mitbedingt sein können.

      Jedenfalls wurden bereits kurz nach der Entwicklung der klassischen Perspektive auch deren gelegentliche Unzulänglichkeiten erkannt und nach Verbesserungen gesucht. Von ungefähr kam dies nicht.

      Viele Grüße
    • cp schrieb:

      Ich frage mich sogar, inwieweit unterschiedliche Seherfahrungen kulturell mitbedingt sein können.
      so eine kulturelle bedingtheit wird tatsächlich diskutiert. in den sprachwissenschaften gibt es die theorie der "linuguistsichen relativität", wonach sprache und grammatik (z.b. zeitformen) unser denken und unsere wahrnehmung formen oder sogar bedingen.
    • Ich denke du kannst davon ausgehen, dass auch die Schreibrichtung Einfluss auf die Wahrnehmung hat. Wir schreiben und lesen von links nach rechts. Dem entsprechend "lesen" wir i.d.R. auch die Bilder. Links in Bild rein, Aufmerksamkeit auf das Hauptmotiv und rechts aus dem Bild heraus. Man setzt dann rechts vielleicht noch eine Kontrapunkt um den Betrachter wieder auf das Hauptmotiv zu lenken o.Ä. Ich denke das bspw. ein Japaner, das gleiche Bild von rechts nach links "lesen" würde und damit auch eine ganz andere Wahrnehmung hat.

      Gruss Sven.
    • Ich glaube, daß die Japaner selbst nicht mehr wissen von wo nach wo sie eigentlich lesen, gucken wahrnehmen...

      Wikipedia schrieb:

      Im traditionellen Japanisch wird, wie auch im klassischen Chinesisch, von oben nach unten geschrieben, wobei die Spalten von rechts nach links aneinandergereiht werden. Diese Schreibrichtung findet heutzutage bei literarischen Texten, Zeitungsartikeln und Manga Anwendung.
      (Sach-)Texte, die viele Rōmaji (lateinische Zeichen) enthalten, sowie (waagerechte) Hinweisschilder werden heutzutage meist nach westlichem Vorbild in horizontalen Zeilen von links nach rechts geschrieben – nur bei historischer Namensbeschilderung von alten Gebäuden o. Ä. sieht man heute gelegentlich noch die traditionelle horizontale Schreibung von rechts nach links. Fahrzeuge und Schiffe sind mitunter auf der rechten Seite linksläufig und auf der linken rechtsläufig beschriftet. In Zeitungen kommt sowohl die horizontale als auch die vertikale Schreibrichtung vor, teils auch gemischt.

      :S :S :S :S :S :S :S :S
    • Im Fach Freihandzeichnen erzählte uns der Prof., ich weiß nicht mehr wie er darauf kam, folgende Anekdote:

      Zur Zeit portugiesischer Handels- und Missionseinrichtungen in Japan übereichten Delegierte dem Schogun ein Gemälde ihres Königs, worauf der Schogun ganz verwundert fragte, ob es in Europa denn üblich sei, daß hohe Herrschaftenunter den Augen geschminkt seien. Er konnte die dargestellten Schatten nicht als solche "lesen".

      Ob diese Geschichte so stimmt, vermag ich natürlich nicht zu sagen.

      Tschüß
    • Neu

      Moin
      es geht ja schon wieder recht munter hier zu...
      nur Zitate über die ganz Monitorfläche, lese ich aus Prinzip nicht :thumbdown:

      aber...ich möchte mal CP bestätigen :D
      und als Steinmetz wird er mir sogar sympatischer, denn ein wenig kenne ich mich damit aus aus

      was mich wundert, das noch keiner den Vergleich mit "hohen Gebäuden" und "weiten Eisenbahnschinen" hervorgeholt hat....
      man kann reden was man will, beides ist gleich>>> die Linen gehen zusamm, egal wie nüchtern man ist
      und, kein Mensch käme auf die Idee weghlaufende Schienenstränke exakt auszurichten :oops: ...gerade zu biegen :sleeping:

      die griechischen Säulen kenne ich auch und habe früh gelernt das sie in der Tat bauchig sind....
      das Kippen kenne ich nicht, der Fürher wollte wohl nett zu dne Touris sein ;)

      Optische Geheimnisse zum Kippen habe ich aber auch noch...und wende sie sogar an,
      ich habe eine alten Haus aus 1906, das ist gebaut auf einer Rollschicht...also kein Betonfundament...
      das Haus ist durch Setzungen in der Diagonalen gerissen und somit unterschiedlich gekippt

      gemessen am Gesamtvolumen fällt es aber nicht auf...mit Wasserwaagen oder Lasern schon :rolleyes:
      gemerkt hatte ich das, als ich dne Stuck sah....dort sind Linien die manchmal nicht zueinander passen, Türen auch
      das war für mich kein Problem, denn auf Baustellen gilt seit Jahren>>> 2x schief wird wieder gerade (CP wirds wissen)

      und in der Tat hatte ich beim Renovieren genau das gemacht...also auch "schiefe Linien" wieder erzeugt...
      kein Mensch hat je die Macken erkannt...nachgefragt also auch nicht

      das gleiche Prinzip habe ich bei dem Rückbau der Terrasse und Gartenanbauten gemacht...
      wir haben hier ca. +2000 grobe Granit Steine...die lagen versenkt im Lehm bis zu 1m Tiefe,
      die wurde als nach dem gleichen "schiefen Prinzipien" verarbeitet und...es sieht sogar gut aus

      Fotografisch mit der GF...habe ich nie anders gemacht
      Mfg gpo
    • Neu

      Gpo schrieb:

      Optische Geheimnisse zum Kippen habe ich aber auch noch...und wende sie sogar an,
      ich habe eine alten Haus aus 1906, das ist gebaut auf einer Rollschicht...also kein Betonfundament...
      das Haus ist durch Setzungen in der Diagonalen gerissen und somit unterschiedlich gekippt

      gemessen am Gesamtvolumen fällt es aber nicht auf...mit Wasserwaagen oder Lasern schon
      gemerkt hatte ich das, als ich dne Stuck sah....dort sind Linien die manchmal nicht zueinander passen, Türen auch
      das war für mich kein Problem, denn auf Baustellen gilt seit Jahren>>> 2x schief wird wieder gerade (CP wirds wissen)
      Danke für die Blumen! :)

      Tatsächlich besteht meine (Haupt-)arbeit in der zeichnerischen Aufnahme historischer Gebäude, noch ergänzt durch photographische und gelegentlich photogrammetrische Dokumentation. Es ist tatsächlich so, Armin schrieb das ja auch schon, daß man an historischen Gebäuden selten mal eine exakte Waagerechte oder Senkrechte findet. Mangelhafte Durchführung beim Bau, meistens aber der Zahn der Zeit, seltener Bauabsicht.

      Bei den griechischen Tempeln freilich waren diese Abweichungen von der Senkrechten und Waagrechten beabsichtigt; es wurden "Kurven" eingebaut. In den späten 1970er- oder frühen 1980er Jahren, also rund 100 Jahre nach Forschungsbeginn, wurden an der Naos-Wand des hellenistischen Apollontempels in Didyma zu Reste der Aufrißzeichnungen des Tempels gefunden. Die Naos-Wand wurde mit Rötel eingefärbt und darauf konstruiert - im Maßstab 1:1. An diesen Konstruktionen kann man sehen, daß konstruktive Abweichungen beabsichtigt sind. Und gerade diese Abweichungen sind es, die diese Tempel, wenn auch heute oft in sehr "kariösem" Zustand so lebendig wirken, im Gegensatz zu den klassizistischen Bauten des 19. Jhdts.

      Sollte einer von euch mal nach Heidelberg kommen, wird er auch das Schloß besichtigen wollen. Viele unter euch werden es ja auch schon kennen. Die Skulpturen am Ottheinrichsbau sind auf Untersicht konstruiert. Wenn man, so wie ich vor Jahren die Gelegenheit hat, diese aus Augenhöhe zu beschauen, vom Treppenhaus des gewöhnlich für Besucher nicht zugänglichen Seitenbaues ist dies möglich, wird man sehen wie grotesk und fast schon bizarr verzerrt diese Figuren gehauen sind. Vom normalen Betrachtungsstandpunkt auf dem Hof wirken sie aber sehr ausgewogen. Es ist wohl sehr viel Wissen um solche Dinge verloren gegangen.



      Tschüß!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von cp ()

    • Neu

      cp schrieb:

      Sollte einer von euch mal nach Heidelberg kommen, wird er auch das Schloß besichtigen wollen. Viele unter euch werden es ja auch schon kennen. Die Skulpturen am Ottheinrichsbau sind auf Untersicht konstruiert. Wenn man, so wie ich vor Jahren die Gelegenheit hat, diese aus Augenhöhe zu beschauen, vom Treppenhaus des gewöhnlich für Besucher nicht zugänglichen Seitenbaues ist dies möglich, wird man sehen wie grotesk und fast schon bizarr verzerrt diese Figuren gehauen sind. Vom normalen Betrachtungsstandpunkt auf dem Hof wirken sie aber sehr ausgewogen. Es ist wohl sehr viel Wissen um solche Dinge verloren gegangen.



      Tschüß!
      Da muß man nur in Kirchen gehen, viele Skulpturen sind auf Untersicht angelegt, wenn man auf gleicher Höhe ist sind die Gesichter ziemlich verquetscht. Auf gleicher Höhe zu fotografieren macht meistens keinen Sinn.
      Grüße
    • Neu

      Das wurde mal so und mal so gehandhabt.

      Beispiel: Riemenschneideralter in Creglingen. Für unseren Riemenschneider Band hatten wir den kompletten Altar einrüsten lassen, um die Figuren aus Augenhöhe aufnehmen zu können. Bei fast allen im Mittelschrein hat das auch funktioniert.
      Weiter oben, ab etwa 8 Metern über dem Boden, waren die Gesichter schon verzerrt. Hier hatte Riemenschneider schon auf Untersicht gearbeitet, was er aber selten tat. Die Marienkrönung im Alterauszug war aus Augenhöhe schrecklich anzuschauen, die Gesichter lang und verzerrt. Hatte sie dann doch von unten aufgenommen und die axialen nur als Beispiel fotografiert.

      Anders sieht es an der Marienkapelle am Markt in Würzburg aus. Die Steinfiguren der Apostelgruppe kann man heute im Museum für Franken auf der Marienfeste bewundern. Obwohl in etwa 16 Metern Höhe hat Riemenschneider diese nicht auf Untersicht gearbeitet. Allerdings hat der Besucher hier die Möglichkeit, einen größeren Abstand zu haben, was in einer engeren Kirche innen eben nicht möglich ist. Daher hat er wohl auf die Unteransicht verzichtet. An der Marienkapelle stehen heute originalgetreue Steinabgüsse der Figuren.

      Leider kann ich die Aufnahmen nicht posten, da ich keine meiner kunsthistorischen Aufnahmen mehr ins Netz stelle. Es wurden schon einige geklaut, daher kommen von mir nur noch Blümchen u.ä. ins Netz...

      Die Bilder kann man sich im Buch anschauen, sollte es noch welche geben.


      Gruß
      Winfried