Korrekte Belichtung bei Korrektur Faktor für Auszug, Schwarzschild und Überbelichten berechnen

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    • Korrekte Belichtung bei Korrektur Faktor für Auszug, Schwarzschild und Überbelichten berechnen

      Hallo,
      wieder mal eine Frage. Diesesmal geht's mir um die korrekte Belichtung von 4x5 Kodak Portra 160. Diesen belichte ich immer als ISO125.
      Ich möchte ein Foto in einer dunkeln Bar mit einem 150mm Objektiv machen. Ich muss nah ran und weiß, dass es diese Korrekturfaktoren gibt.
      Belichtungsmesser habe ich nur so einen alten Russentrümmer (mal irgendwo vom Flomarkt mitgenommen), der funktioniert aber nur im Hellen, deshalb nehme ich meinstens die kleine digitale zum Messen.

      Also ich habe heute mal ein Probefoto gemacht und komme mit der digitalen auf
      ISO250, 1/4sec, f2, als perfekte Belichtung; sind dann
      ISO125, 4sec, f5.6, richtig?

      und weil ich mit f16 fotografieren möchte 32sec.

      Dazu habe ich einen Auszug von 200mm
      Also f= Auszug^2 / Brennweite^2 = 1,77

      Belichtungszeit korrigiert: 32sec * 1,77 = 54,4 sec

      Und dann der Schwarzschild.
      Ich habe eine Seite gefunden largeformatphotography.info/fo…d-400-Reciprocity-Failure auf der der Schwarzschild experimentell ermittelt wurde
      und komme dann auf einen Korrektur Faktor von 1,86 (y = 0.5167 * ln(x) - 0.2; wobei X =Zeit)


      Also 54,4 * 1,86 = 101,45 Sec

      Könnte das jemand überprüfen, ob meine Überlegung richtig ist?
      Oder habe ich noch einen anderen Korrekturwert vergessen?

      Oder ist das alles viel zu theoretisch und man gibt einfach 2 volle Minuten Licht auf den Film?

      Danke für die Hilfe
      Philipp
    • Moin,

      sieht soweit stimmig aus. Die einzige Korrektur, die allerdings filmabhaengig ist, geht noch auf die Art der Lichtquelle. Bei Diafilmen wird in der Empfindlichkeit zwischen Kunstlicht und anderen Typen unterschieden; macht u.U. eine Drittelblende Unterschied aus. Portra ist mal garnicht in meiner Liste drin. Also je nach Zielsetzung was noch alles Zeichnung haben sollte und was nicht, wuerde ich prinzipiell auf "zuviel" schadet selten setzen. Ist ja eben kein Diafilm, dessen Wiedergabe von der moeglichst exakten Belichtung abhaengt. Mit zwei oder zweieinhalb Minuten machst Du ziemlich sicher wenig falsch.

      Gruesse,
      Christoph
      A shelve of pickled objects looks just like a dictionary.
    • Moin Moin (doppelt Moin sind Schwätzer, ne? :) )

      oh ha. Schon wieder was gelernt. Ich habe indirektes Kunstlicht. Dann gebe ich mal fette 2min drauf und guck mal was passiert. Das Motiv rennt auch nicht weg, kann es jeder Zeit wieder ablichten.

      Dazu ergänzend eine Frage zu Alec Soth Bild (eingefügt) aus Sleeping by the Mississippi.
      Worauf wurde Belichtung gemessen? Auf die obere Hälfte des braunen Fensterrahmens; oder der Sessel rechts unten? In der Glühbirne ist ja noch halbwegs Zeichnung drin.
      Solche Sachen sind mit noch zu anspruchsvoll. Ich versuche, keine Lichtquelle im Bild zu haben. Freue mich über jeden Hinweis

      Und hat jemand einen Tipp für ein Buch zum Thema korrekt Belichtung messen? Mit guten Bild-Beispielen.




    • Das sehe ich auch so. Die Reflexionen in der oberen Bildhälfte stammen von einer anderen Lichtquelle.

      Zum messen wäre ein Ansatz, du suchst dir eine mittelgraue Fläche, also den Sessel oder den Vorhang und misst mit Spot an. Du kannst auch die Glühbirne anmessen und dann ca. 2-2,5 Blenden zugeben. Oder den schwarzen Hut und dann entsprechend weniger belichten. Wenn du so misst, hast du auf jeden Fall einen korrekt belichteten Punkt und der Rest richtet dann irgenwie danach. Wenns schnell gehen muss geht sowas.

      Anspruchsvoller ist es die einzelnen Bildteile auszumessen und zu gucken, ob du den Kontrast überhaupt auf dem Film unterbringen kannst (o.k. du kannst dann noch eine angepasste Entwicklung vornehmen). Anschließend kannst du den Mittelwert nehmen und zwei flankierende Belichtungen plus und minus.

      Oder eben wie hier im Bild aufhellen.

      Gruss Sven.

      P.S. Ich hätte die Glühbirne auch ausgeblendet.
    • Ja stimmt. Könnte sein, dass das geblitzt ist. Ich weiß es leider nicht. Aber das mit den Reflexionen kann schon sein. Könnte es auch Umgebungslicht sein? Fenster, oder Oberlicht, oder so was? Oder ist es dafür zu stark? Und woher kommt das Licht? Vielleicht ist es ja auch taghell und die Glühbirne wurde einfach so angeschaltet?! Man sieht ja keinen Kabelschatten von der Glühbirnenleitung an der Wand

      Urnes:
      - woher bekomme ich die Information für den Kontrastumfang?
      - was meinst du mit flankierender Belichtugn + & - ? Bracketing mit einer gemessenen Belichtung dann eine Überbelichtung und dann eine Unterbelichtung? Also 3 Belichtungen? Das kann/möchte ich mir nicht leisten. Muss beim ersten Mal sitzen.

      Mal angenommen es wurde geblitzt: wie wurde das gemacht? Also ein fiktiver Helligkeitswert ohne Blitz mit f32 und 2sec. Wie viel Blitzlicht wurde dann draufgegeben? Kann man das abschätzen?

      Viele Grüße
    • Wenn die Aufnahme mit Stativ gemacht wurde, könnte es doch auch eine Doppelbelichtung sein, oder? Also die erste Aufnahme auf die Glühbirne belichtet, d.h. kurze Zeit und Blende 64, dann Glühbirne ausgeschaltet und die zweite Belichtung entsprechend dem dann noch vorhandenen anderen Licht (abzüglich der ersten Belichtung).
    • philipp schrieb:

      - woher bekomme ich die Information für den Kontrastumfang?
      Mit einem Spotbelichtungsmesser den hellsten und den dunkelsten Punkt anmessen, der noch Zeichnung haben soll.
      Mit einem BelIchtungsmesser der eine Lichtmessung macht, oder integral misst ist das so nicht möglich.
      Mit der Digitalen und Tele könnte man die einzelnen Teile auch anvisieren.
      Grüße
      Steffen
    • Den Kontrastumfang vom Film? Bei s/w maximal 8-9 Blendenstufen, Farbe müsste etwas höher liegen. Der Kontrastumfang vom Papier liegt aber drunter, also so bei 5-6 Blendenstufen. Wenn du jetzt keine Klimmzüge mit Entwickung und Darkroommagic machen willst oder kannst solltest du da so ungefähr drin bleiben. Du kannst mittels der Belichtung zumindest entscheiden welche Bereiche dir absaufen oder ggf. ausfressen. Wenn Bräcketing zu teuer ist muss halt eine Belichtung sitzen. Hopp oder Topp. Oder du probierst es vorher mit der Digicam ob es ungefähr passt.

      Aufhellblitzen ohne Blitzbeli? Also Digicam auf manuell und den Blitz bei voller Leistung abfeuern und die Blende soweit schließen bist die Helligkeit bei einem 60stel stimmt. Diese Blende/LW müsstest du jetzt soweit an deine gemessene Zeit ohne Blitz anpassen. Beide Zeiten korrigierst du ca 1 Blendenwert nach unten, da du ja beide Lichtquellen separat angemessen hast und sich Licht addiert. Für Licht ohne Blitz Schwarzschild berücksichtigen, für Blitz nicht. Ich hoffe das macht jetzt irgenwie Sinn. Wenn frag einfach nochmal nach.

      Gruss Sven.
    • Moin,

      so viele Fragen. Gute Buecher zu Belichtung fallen mir nicht ein, eher die Klassiker zu allgemeinen Betrachtungen von Schwaerzungskurven zu Filmen. Neben der wissenschaftlichen Literatur also "Way beyond Mondochrome" oder A. Adams "The Negative".

      Abschaetzen kann man mit dem Licht schon; ich wuerde aber aufgrund der vielen Einfluesse eher messen -- empirisch per iterativer Annaeherung (bracketing, bzw. Belichtungsreihen per Digicam) oder besser direkt mit geeignetem Belichtungsmesser.

      Zum Bild von Alex Soth: Doppelbelichtung waere moeglich, halte ich aber fuer aufwendig(er). Aufhellblitzen wuerde ich eher fuer unwahrscheinlich halten, da die Lichtfarben doch sehr aehnlich aussehen. Blitzlicht waere viel kaelter als das Licht der Gluehemission. Am wahrscheinlichsten denke ich, dass es einfach eine zweite Lichtquelle gibt, die die ganze Szene erleuchtet. Die im Bild sichtbare Gluehlampe leuchtet im Verhaeltnis einfach so viel dunkler, dass sie nicht ueberstrahlt. Zumindest habe ich das immer so gemacht, wenn ich Lichtquellen im Bild habe -- wobei ich weitaus ueberwiegend schwarzweiss photographiere, also nur die absolute Lichtmenge hinbekommen muss und nicht auch noch irgendwelchen Farbenschnickschnack.

      Die ganze Farbgeschichte wird naemlich richtig aufwendig. Wenn ich mich recht erinnere, dann gibt es von Sinar (oder Linhof?) die passende Literatur, wie man die Farben richtig einmisst und fuer multi-Lichtquellen die passenden Filterungen einstellt (inklusive die Farbverschiebungen ueber die Belichtungszeit, etc.).

      Gruesse,
      Christoph
      A shelve of pickled objects looks just like a dictionary.
    • Was den Schwarzschildeffekt angeht ist es empfehlenswert den Film einzutesten um exakte Ergebnisse zu erhalten (,oder im Netz nach einer Liste mit exakten Sekundenangaben zu suchen, von einem Fotografen, der den Film bei längeren Belichtungszeiten getestet hat). Strikt nach der Berechnung zu gehen liefert nicht immer das gewünschte Ergebnis sondern eher einen Anhaltspunkt. Ein weiterer Anhaltspunkt wäre dieses Datenblatt von Kodak Reciprocity correct. for Kodak films.pdf, auf dem unter anderem "Reciprocity corrections" für die Portra-Filme 160 NC und 160 VC vermerkt sind (allerdings nicht detailliert).

      Statt einer Doppelbelichtung würde ich in jedem Fall ein korrektes Messen mit einem Spotmeter empfehlen, damit Du den Kontrastumfang genau bestimmen kannst. Dem Ergebnis entsprechend könntest Du dann den Film beim Entwickeln pushen oder pullen und würdest so ein sehr gutes Negativ erhalten. Bzgl. der Literatur würde ich dieses Buch von Bruce Barnbaum empfehlen, das dieThemen Belichtung - Kontrastumfang - Entwicklung sehr detailliert erklärt, sowohl für Farbe als auch für S/W.
    • Keine Ironie, eher etwas Sarkasmus jetzt- wegen Größe und einfacher Handhabung der Lichtmessung wäre ich auch fast noch geneigt, eine fortschrittliche KB-Kamera zu empfehlen :)

      Ja, messen auf die Graukarte "erspart" einem das Spotmetern.
      Ebenfalls die Lichtmessung.
      Das muß man aber ebenso üben wie die Spotmessung; schließlich interpretiert man bei den Erstgenannten nur einen einzigen Wert, und der will dann gelegt sein, was bei normalem Kontrast ( den man ohne Messung ja auch wieder nicht definieren kann) ja noch einfach wäre.
      Ob bei der komplexeren Lichtsituation oben mit Graukarte gemessen wurde, wage ich aber zu bezweifeln.

      Übrigens gäbe es Minispotmesser (z.B. Pocket Sprocket), und handliche Spotmesser.Ob man sich für die Meßmethode entscheidet, ist dann ein anderer Schuh.

      VG,
      Ritchie
    • Ein bischen Ironie war sicherlich dabei (ein bischen Spass muss sein... ;) ), aber bequalms Antwort hat dennoch den praktischen Wert für Dich, dass das Messen auf die Graukarte vermutlich am unklompiziertesten ist und Du dadurch einen (ungefähr) gemittelten Wert für die gesamte Lichtsituation erhälst. Für eine exakte Belichtung wirst Du aber nie um einen Spotmeter herumkommen. Das Schöne am Grossformat sind ja gerade die großen Negative und für mich macht es einen großen Qualitätsunterschied wenn ich eine Differenzierung der Schattenpartien bis ins kleinste Detail ausnutzen kann. Zu diesem Zweck ist der Spotmeter nunmal das praktischste Instrument. Selbstverständlich wirst Du auch brauchbare Ergebnisse mit einem normalen Handbelichtungsmesser erhalten...
      Wenn Du besagtes Buch von Barnbaum bereits hast, dann findest Du dieses Thema in einem Kapitel zu unterschiedlichen Belichtungsmessern sehr schön erklärt.
    • Graukartenmessung:

      Das ist immer die erste Messung, die ich mache. Das gibt mir einen Überblick über die Gesamtsituation.

      Spotmesser zu groß und unhandlich?
      Nein! Siehe Gossen Lunasix-III mit dem kleinen Spotvorsatz. Hat 15 und 7,5 Grad, das reicht immer aus und das Teil ist nur so breit wie der Lunasix und nur 2 cm lang. Der Paßt in jede Hosentasche.

      Gruß
      Winfried