Von Vorurteilen und dem Glück der Laborarbeit - Teil 2

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    • Von Vorurteilen und dem Glück der Laborarbeit - Teil 2

      Bis die richtige Belichtungszeit und Gradation ermittelt waren, alles Abwedeln und Nachbelichten stimmte, war ein guter Tag vergangen.
      Da das Photopapier 1,27 breit war, hatte ich genügend Spiel, das Papier an der Wand richtig positionieren zu können.
      So konnte ich schneller arbeiten. Belichtungszeit war so um die 15 Minuten.

      Nach gründlichen fixieren und wässern hatte ich die erste Vergrößerungen naß auf einer gebrüsteten Stahlplatte ausgerollt, leicht
      abgequetscht und verklebt. Dazu verwendete ich ein, mit Nylonfäden verwebtes Naßklebeband. So ließ ich die erste Vergrößerung
      über Nacht trocknen. Ich konnte die Nacht kaum schlafen.
      Am Morgen kam die Ernüchterung, ich sah sofort meinen Fehler: Die Vergrößerung war zu naß abgerollt, die Feuchtigkeit lief dadurch
      mit dem aufgelösten Kleber unter die Vergrößerung.
      Da half kein Wässern, anfeuchten oder sonst noch was, diese Vergrößerung war nicht mehr zu retten.



      Die folgenden Vergrößerungen ließen sich problemlos vergrößern.
      Meine Finger bekamen mit der Zeit leicht bräunliche Fingernägel und rochen nachts nach Fixierbad. Das war auch die Zeit, wo ich
      mir angewöhnte, Bier aus 0,3er Flaschen zu trinken. Wieder wurde die fertige Vergrößerung abgerollt, allerdings leicht feucht und
      nicht mehr so naß wie das erste Mal und abermals doppelreihig mit dem Paketklebeband fixiert. Die zweite Vergrößerung hatte sich
      nämlich so stark zusammengezogen, das ein Klebeband gerissen war!

      Am Tag drauf wurde ich mit einer betörend schönen samtig-glatten Oberfläche, die über das gesamte Bildfläche makellos war belohnt.
      Was war das für eine Freude!! Die Tonalität, die Differenzierung der Grautone, die Tiefe des Bildes, Gradation und Größe. Alles passte!
      Diese Vergrößerungen ließen sich nun auch problemlos um Untergrund ablösen. So belichtete ich insgesamt drei Vergrößerungen,
      eine in Reserve, falls etwas schief gehen sollte. Das habe ich mir im Laufe meiner Arbeit so angewöhnt.





      Herrlich wie grade und ohne Macken und Knicke die Vergrößerung dort lag!




      Ich gestehe ich war sehr zufrieden, nebenbei die Photographin natürlich auch . . .




      Duie Bilder ließen sich diesmal problemlos lösen. Wichtig war hier eine ruhige Hand und ein (wirklich) scharfes Messer.

      Später erfuhr ich noch, daß diese Vergrößerungen zudem noch auf Alu-Dibond-Platten aufgezogen werden mußten, erschwerend dazu
      kam über die Photographie noch ein UV-Sperrschutzlaminat. Wir arbeiten zwar mit einer sehr gute Sallmetall Kaschiermaschine, bei der
      sich wirklich alle Parameter (wie Heizung getrennt für obere und untere Walze, Zug und Gegenzug, Geschwindigkeit und Druck regeln ließen)
      dennoch war dies für mich der schwerere Teil der Arbeit. Ein minimalster Fehler nur, eine Staubfluse, zu viel Zug, die falsche Temperatur und
      alles wäre für die Katz gewesen. Während sich PE Papieren „etwas“ leichter verarbeiten lassen, ist Baryt wohl die Königsdisziplin des Kaschierens.
      (Und das bitte ich hier nicht falsch zu verstehen.)



      Als die Vergrößerungen dann auf Alu-Dibond aufgezogen waren, kam der Galerist zur Abholung. Eine letzte gemeinsame Begutachtung der Bilder,
      kein Knick, kein Staubeinschluss, alles in Ordnung. Anschließend wurden die Photographien in einer stabilen Speditionskiste verpackt.
      Und ich mußte mich betrüblicherweise von meinen „Kindern“ verabschieden . . .





      Nun fragt sich möglicherweise der eine oder andere warum ich das schreibe . . ?
      Weil es mir eine unglaubliche Freude war, mit einem Profi zusammen zu arbeiten.
      Natürlich hatte jeder Tag deutlich mehr als acht Stunden.
      Wir improvisierten viel, hatten wirklichen Spaß an der Arbeit und – die Zeit dazu!
      Die zwei schönsten Geräusche der Welt sind: Ein Verschluß der sich öffnet und wieder schließt.
    • Hallo Photofreund,
      vielen Dank für den ausführlichen Erfahrungsbericht!
      Ich schätze die Arbeiten von Claudia Fährenkemper sehr und bin jetzt umso mehr erfreut erfahren zu haben, wie sie im Labor ausgearbeitet wurden. Falls es interessiert, in der letzten Schwarzweiss 121 war auch ein Bericht über ihre Serien Armor und Imago zusammen mit einem Interview.

      Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude mit der Photographie!

      Herzliche Grüße
      Frank
    • der-photofreund schrieb:

      So belichtete ich insgesamt drei Vergrößerungen,
      eine in Reserve, falls etwas schief gehen sollte.
      dazu hätte ich drei fragen:

      1. wie habt ihr die temperatur insbesondere beim entwickler konstant gehalten?
      2. waren die ergebnisse konstant reproduziert, waren also die drei abzüge identisch in ihrer tonalität und Schwärzung?
      3. womit habt ihr retuschiert und wie lange hat das gedauert (ist ja ein ordentliches format)?