Von Vorurteilen und dem Glück der Laborarbeit -Teil 1

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    • Von Vorurteilen und dem Glück der Laborarbeit -Teil 1

      Es ist schon etwas her . . .

      . . . da arbeitet ich bei einem Freund in seinem Photostudio mit, konnte in seiner Abwesenheit das Studio leiten, mein Interesse war
      seinerzeit die E6 Processkontrolle, Graukeile ausmessen und dann den Prozess auf Optimalwerte bringen, außerdem konnte ich die Lehrlinge
      unterweisen und ansonsten dort eine „ziemlich ruhige Kugel schieben“.

      Eines Morgens sagte mein Freund zu mir: „Da kommt so ne Fotokünstlerin, die will SW-Bilder haben, ist doch was für Dich.“
      Mir wurde bei seinen Gedanken schwarz vor Augen. (Bitte nicht falsch verstehen, selbstverständlich habe ich nichts gegen Frauen,
      NEIN, wirklich nicht, wohl aber gegen „spinnerten“ Künstlerinnen.) Dachte ich mir . . .

      Ein paar Tage später stand eine zierliche Frau vor mir, die mir erzählte was es mit ihren Bilder auf sich hatte. Sie war eine Becher Schülerin
      und hatte Braunkohlebagger in der Lausitz photographiert. Die Barytvergrößerungen brauchte sie für den internationalen Kunstmarkt
      auf 1x2m Größe! Als sie dann die 4x5 Negative auf den Leuchttisch legte, standen mir die Tränen in den Augen. So schöne, optimal belichtete
      und perfekt entwickelte Negative hatte ich zuvor noch nie gesehen. Einen Sekundenbruchteil später mußte ich mir dann eingestehen, daß,
      alles was ich vorher photographiert hatte, Filmverschwendung war.

      So begannen für uns beide zwei ganz wunderschöne arbeitsintensive Tage im Labor, mit einen zu Anfang der Arbeit defekten Homrich Vergrößerer,
      selbst gebauten Laborbecken (aus Forex Platten), 10 Liter Kanistern Eukobrom und Superfix, provisorisch verlegten Wasseranschlüssen,
      Warsteiner und Pizza und das sehnsüchtige Warten auf eine 127er Rolle Kentmere Baryt Photopapier. Ich konnte endlich mit meinen eigenen Händen
      einmal „richtige“ SW-Vergrößerungen anfertigen.
      Unsere harmonische Zusammenarbeit war für meinen photographisches Arbeiten eine ganz wundervolle Bereicherung.

      Schöner konnte es im Photographen SW Labor-Paradies auch nicht sein . . . dachte ich mir . . . ;)




      Der gute alte Homrich Horizontalvergrößerer mit einem kleinen Defekt.
      Dabei hatte ich doch so an mein Lieblingsvergrößerer, den Durst CLS 2000 gewöhnt. Für mich nach wie vor noch "State of Art".




      Nach ein wenig Bastelei gings los. Rechts im Bild, auf den Böcken, sind die selbstgebauten Laborbecken zu sehen.




      Hier das Originalbild der Photographin im Format 30 x 40cm. Ein famoser Abzug und mein Richtwert für die Größvergrößerungen.




      Hier sind rechts die ersten Probevergrößerungen an der Wand, links noch mal die Referenz . . .




      Bei solchen Vergrößerungesmaßstäben kam ich auf Belichtungszeiten von ungefähr 15 Minuten.
      Der alt erwürdigen Homrich hörte sich während der Belichtungszeit an wie ein größer Staubsauger auf einem Flugfeld.
      Immerhin wurde es im Laufe der Zeit angenehm warm.
      Alleine das korrekte einstellen des Negatives dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Bei solchen Vergrößerungsmaßstäben bräuchte
      es eigentlich eine Bügelmeßschraube, denn jeder noch so geringste Fehler oder Focusdifferenz macht sich auf dem Bild in
      Zentimetern bemerktbar - und alles geht von vorne los.

      Die Laborbecken standen paarweise gegeneinander, so konnte ich mit einem Helfer gemeinsam die Papierbahnen einrollen und
      ihm wieder zuzrückrollen. Die Laborbecken waren zu diesem Zweck ca. 30 cm breit. Ich kann mich noch an das konfortabel
      Großbahnen Entwicklungsgerät von der Firma Feufel erinnern, Teufel Bibinor (oder so ähnlich) das hatten wir hier leider nicht.
      Die zwei schönsten Geräusche der Welt sind: Ein Verschluß der sich öffnet und wieder schließt.
    • Hallo Photofreund,

      tolle Geschichte! Aber hey, bei so etwas muss man doch unbedingt einen Dokumentarfilm drehen! ;)

      Ein paar Fragen:

      - Laborbecken aus Hartschaum? Da kann man doch nichts reingießen? 30cm breit und rollen? Das heißt das Bild wurde durch den Entwickler, etc, gerollt?

      - Wie habt ihr das Papier an der Wand fixiert und vor allem plan bekommen?

      - Was sind die Materialkosten eines Abzugs (pi x Daumen, mit Probestreifen, etc)?

      - Haben alle Abzüge auf Anhieb gesessen?

      - Habt ihr getont oder "nur" Entwickler, Stop, Fix?

      - Was für ein Objektiv habt ihr für die Vergrößerung gewählt?

      Ok, hoffe nicht zu viele Fragen ;)
      The Print (click)
      MN
    • renros schrieb:

      von 4x5 Inch auf 1x2 meter? das ganze mit einem lüftervibrierenden vergrößerer bei 15 min belichtungszeit? sportlich!
      Wenn du weisst wie schwer und stabil so ein Homrich gebaut ist, da kann gar nichts vibrieren!

      Sehr schöne Geschichte!!
      " You push the button and we do the rest."
      Kodak Werbespruch!
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      "You push the button and the pixels do the rest"