Warum photographiert ihr mit Grossformat?

    • WSt schrieb:

      Extreme indirekte Parallelverschiebungen
      Das muß man in Bezug auf die Brennweite sehen. Bei einem Tabletop nimmt man gern längere Brennweiten, damit auch die Objekte am Rand die Form behalten. Und bei einem 240mm Objektiv ist 5cm paralleles Verschieben der Standarte nicht so doll viel. Andererseits wird erwartet, daß alles im Bild scharf ist trotz der langen Brennweite und des kleinen Aufnahmeabstandes. Da ist dann einiges an Verstellungen nötig (zusätzlich zum Abblenden).

      zoz schrieb:

      Wer seine Kamera so extrem verstellen muss, für den ist eine Technikardan definitiv nicht das optimale Gerät. Die Kamera hat andere Stärken.
      Dem ist nichts hinzuzufügen.

      Ich wollte auch nicht das große Torkelfaß aufmachen, ich fand das Foto von der Chamonix nur so gelungen.

      Gruß
      Dieter
    • Und bei der Technikardan ist der Name Programm:
      Nicht ganz so klein und leicht wie eine Technika, nicht so viele Verstellwege wie eine Kardan.

      Unter dem Namen Kardan gab es von Linhof eine sehr große Bandbreite von Kameras.
      Von komplexen Profi Kameras bis zu sehr einachen Einsteigermodellen.
      Grüße
      Steffen
    • zoz schrieb:

      Das Problem tritt ja nur auf, wenn man die Kamera nicht waagerecht ausrichtet, und das muss man nur machen wenn der Shift an den Standarten nicht ausreicht.
      Häufige Anwendungen sind z.B. sogenannte "Weißwarenfotografie", also Produktaufnahmen von Waschmaschinen und ähnlichen Objekten, bei denen eine 3-Seiten Ansicht erwünscht wird, also 2 Seiten und eine Draufsicht. Das schafft kaum eine Fachkamera ohne Neigung des Grundrohres. Und wenn man dann noch verstellen muß, bekommt man bei nicht-torkelfreien Kameras große Probleme.
      Gut, die Kardan Bi und die Master GTL haben riesige Verstellmöglichkeiten beider Standarten, trotzdem ist die Torkelfreiheit ein geniales System, das ich nicht mehr missen möchte, da ich oft solche Aufnahmen machen muß.

      Gruß
      Winfried
    • Ich meine, ohne Basisschwenksystem geht es nicht. Bei geneigter Bank müssen die Standarten wieder senkrecht gestellt werden, damit die Drehgelenke waagerecht stehen.

      - oder eben extrem lange Wege für die Verschiebung der Standarten bei waagerechter Bank

      Unterschiedlich ist auch die Einstellogik: Wenn du Winfrieds Waschmaschine so fotografieren möchtest, daß 3 Seiten von ihr zu sehen sind, suchst du dir den Punkt im Raum, von dem aus du schauen möchtest. Dann kann man die Kamera dorthin ziehen und

      - die Kamera schräg auf die Waschmaschine richten, so daß sie wie gewünscht im Bild steht, um dann anschließend die Rückwand der Kamera aufzurichten und evtl auch noch seitlich zu drehen, bis die Projektion stimmt (also die Ansicht von der Maschine). Mit der Objektivstandarte legt man dann die Schärfenebene so, daß nach Abblenden die ganze Maschine scharf abgebildet wird.

      - die Kamera so aufstellen, daß die Waschmaschine zunächst gar nicht auf der Mattscheibe zu sehen ist, aber die Bildstandarte schon so gedreht ist, daß die spätere Projektion wie gewünscht ausfällt. Das kann sogar so sein, daß die Front der Maschine exakt rechtwinklig wie bei einer Draufsicht erscheint (in dem Fall steht die Bildebene exakt parallel zur Front der Maschine). Dann schiebt man die Bildstandarte so lange senkrecht nach oben und zur Seite, bis die Waschmaschine wie gewünscht im Bild steht. Mit der Objektivstandarte wieder die Schärfenebene einstellen.

      Gruß
      Dieter

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Diesch ()

    • Eine wirklich gute Frage! Danke !!

      Also, in jungen Jahren, zu Beginn meiner Lehre, hatte ich, auf diese Frage oft geantwortet:
      Das Format, welches ist war egal, die bessere Qualität, der Abbildung, der Filme sowieso,
      die Abgrenzung von „Knipsern“, die mit Minoltas oder Pentax Kameras rumeierten . . .
      Technik, Technik, Technik . . . und überhaupt . . !
      Es war der merkwürdige Stolz mit einer „richtiger Männer-Kamera“ Bilder zu erstellen,
      von denen viele überhaupt keine Ahnung hatten – ich versteckte mich hinter der Technik.
      Warum auch immer.

      Heute, dreißig Jahre später, antworte ich auf die selbe Frage:
      Es ist schön, die Zeit zu haben, sich mit dieser wundervollen Technik zu beschäftigen,
      die Ruhe ein Bild auf einer großen Mattscheibe komponieren zu können,
      Technik interessiert mich eigentlich nur noch am Rande, ob wohl ich mir eingestehe,
      mal wieder einen „richtigen Glasklotz“ in der Hand zu halten ist für mich herrliches Gefühl!
      Der Luxus und die Freude auf das richtige Licht zu warten . . .
      Lacht mich dann, quasi zur Belohnung für all die Mühe, auf dem Leuchtkasten ein schön durch
      gezeichnetes Negativ an, das ich mit Freude vergrößern kann – bin ich aus photographischer Sicht
      doch sehr zufrieden!

      Aus dem gleichen Grund steht bei uns eine Espressomaschine und ein Plattenspieler.

      Besser noch:
      Jetzt kann ich mich abermals in Geduld üben, vielleicht die Freude des Großformates
      meinen Kindern zu vermitteln, daß sie möglicherweise in 10-15 Jahren anders darüber
      reden als ich, wenn man sie fragt, warum sie mit Großformat photographieren.
      Die zwei schönsten Geräusche der Welt sind: Ein Verschluß der sich öffnet und wieder schließt.
    • Winfried Berberich schrieb:

      Diesch:

      torkelfrei sind ansich nur die Sinar-P sowie die Linhof Kardan Master GTL. Der GT zum Beispiel fehlt der Gelenkbock, der sie torkelfrei macht.
      Auch die Plaubel Peco Universal II und III sind meines Erachtens torkelfrei dank des Kugelgelenks. Habe die Plaubel aber gerade nicht griffbereit, die steht drüben im Atelier.

      Gruß
      Winfried
      Habe mich nun noch etwas intensiver mit dem Unterschied der Linhof Kardan re und der Linhof Technikardan 4x5 S befasst, unabhängig davon, dass die Technikardan teurer ist.
      Die Technikardan 4x5 S ist noch aktuell im Programm von Linhof und ist absolut torkelfrei - so zumindest die Prospektaussagen von Linhof.
      Diese Kamera hat ein sehr interessantes Packmaß, was mit dem Mater Technika System vergleichbar ist. Sie ist praktisch eine Mischung aus einer Laufbodenkamera (Technika) und einer Kamera auf optischer Bank. Die Kardan re hat hier Schwierigkeiten, da sie eine feste Schiene mit 47 cm Länge hat. Es gibt kaum Rucksäcke, die für die re gut geeignet sind.
      Ich tendiere nach allem nunmehr eher zur Technikardan 45 S.

      Gruß
      Wolu
    • Wolu schrieb:

      Es gibt kaum Rucksäcke, die für die re gut geeignet sind.
      Wenn dir das wichtig ist und du eine Kamera haben möchtest, die recht weitgehend verstellbar ist, gibt es zur Technikardan keine Alternative - fast keine: es gibt von Canham eine ähnliche Kamera - dann git es noch Kameras auf optischer Bank, die gleich schwer oder sogar noch leichter sind: Arca Swiss F-field oder Toyo VX125 - diese beiden Kameras sind aber nicht so klein packbar wie die Linhof.

      Gruß
      Dieter
    • Wolu schrieb:

      Die Technikardan 4x5 S ist noch aktuell im Programm von Linhof und ist absolut torkelfrei - so zumindest die Prospektaussagen von Linhof.
      Die Technikardan ist definitiv nicht torkelfrei:

      Wenn für Dich aber Packmaß und Gewicht wichtig sind kommen die wirklich absolut torkelfreie Kameras für Dich eigentlich auch nicht in Frage.
      Grüße
      Steffen
    • Nein es ist die Technikardan 45 ohne S aber an den Verstellungen hat sich nichts geändert.
      Die Abbildungen zeigen nur Einstellungen bei denen es eben nicht zum Torkeln kommt.
      Um die Kamera so seitlich ans Stativ zu hängen braucht man schon ein entsprechendes Stativ, insbesondere wenn es sich nicht um die gezeigte 6x9 sondern um die 4x5 handelt.
      Grüße
      Steffen
    • Jockel123 schrieb:

      Torkelfrei bei Drehung der Achse um 90°, na ja.....

      aber wahrscheinlich erleben wir den Tag nicht mehr an dem Wolu sich entscheidet und sich eine Großformatkamera zulegt. Das will ja wohlüberlegt sein.

      Grüße
      Jockel123
      Hallo Jockel123

      den Hinweis auf das "wohlüberlegt sein" unterschreibe ich natürlich. Aber den Tag werdet Ihr noch erleben - auf jeden Fall- dafür bin ich schon zu sehr infiziert. ^^
      Gruß
      Wolu
    • Wolu schrieb:

      Aber den Tag werdet Ihr noch erleben
      Wenn dir klar ist, was du mit der Kamera vorhast, fällt die Entscheidung leichter.
      Rucksack klingt so nach Landschaftsfotos - da benötigt man normalerweise keine vielseitig verstellbare Kamera aber eine, die man zusammen lagen kann.. Da könnte eine Laufbodenkamera ausreichen. Solche Kameras bewältigen in der Regel auch Aufgaben, bei denen der Horizont tief liegt und man keine stürzenden Linien möchte. Eine Kamera, die alles gut kann, gibt es nicht. Ein minimaler konstruktiver Aufwand sollte aber schon betrieben sein, sonst ist eine Parallelität zwischen vorn und hinten nur schwer oder gar nicht herstellbar oder der Aufbau dauert ewig. Dann sollte eine Funktionalität auch bei häufigem Gebrauch erhalten bleiben. Die aufgebaute Kamera sollte in sich steif sein.
      Eher Weitwinkel, dann sollte der Balgen dafür tauglich sein oder ers sollte gegen einen Weitwinkelbalgen tauschbar sein.

      Wenn du maximale Verstellbakeit möchtest, also eine Kamera auf optischer Bank, dann schau dir die Modelle mit L-Standarten an. Diese lassen sich meist quer stellen, so daß die Kamera in eine flache Tasche paßt. Ich habe lange eine solche Kamera von Horseman (-> Horseman 4x5, dann sind die leicht zu finden - die werden relativ preisgünstig gehandelt und sind mit dem Sinar-System kompatibel in den Teilen, die an den Standarten angebracht werden) benutzt - solche Kameras gibt es aber auch von Cambo oder Linhof.

      Gruß
      Dieter