Warum Großformat? Einige Gedanken ...

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    • Warum Großformat? Einige Gedanken ...

      Hi zusammen,

      manchmal kommen mir - quasi philosophische - Gedanken. Es gibt ja auch speziell zum Thema Großformat durchaus andere Foren, vor Allem im US-amerikanischen Bereich ([url]http://www.largeformatphotography.info/[/url]). Die sind unglaublich aktiv (vielleicht haben die auch sonst nichts zu tun), und ausgesprochen informativ. Was mir aufgefallen ist: Alle sprechen von "Großformat".

      Nun, ich gebe zu, in meiner Frühzeit war ich auch von der schieren Größe des Filmmaterials und gleichermaßen von der technischen Gestaltung der Kameras (Laufboden und optische Bank) überwältigt. Es ist ja auch was ganz Besonderes, mit so einem Monster herumzulaufen.

      Inzwischen hat sich meine Auffassung zum "Großformat" relativiert und differenziert. Größe allein ist wohl kaum ein "Wert an sich". Warum wollen wir das denn dann?

      Ein Argument ist sicher immer noch der Detailreichtum und die Farbsättigung großformatiger Farbbilder (bei SW ist die Formatfrage weniger kritisch). Damit das kein Selbstzweck bleibt, müssen die Ergebnisse präsentiert werden. Für Negativmaterial bleibt da nur die klassische Vergrößerung, und die muss auf wenigstens 30x40 gehen, damit etwas rüberkommt. Dias? Da geht wiederum nur Projizieren. Ein Projektor für 9x12 (oder 4x5) ist kaum zu bekommen ... Die von vielen GF-Fans so sehr geliebten 18x24er Kontakte haben aus meiner Sicht nur den Sinn, die kostspielige Vergrößerei zu sparen. Die technische (!) Qualität, die ein großes (SW-)Negativ von einem kleinen unterscheidet, kommt dabei nicht raus. Das Präsentationsproblem habe ich ebenso durch die Scantechnik (plus Ausbelichten/Drucken) gelöst wie es Hartmut Springer ghorwin empfohlen hat. Bei Einsatz erschwinglicher Hausmittel ist die Digitalisierung des Positivprozesses zumindest im Farbbereich die Methode der Wahl (SW digital erfordert wesentlich höheren Aufwand). Die Egebnisse sind jedenfalls ok. Übrigens bin ich in einem Digi-Forum für diese leidigen Fragen nach Möglichkeiten der Präsentation an die Wand genagelt worden (da haben nämlich auch die Digi-Freaks ganz heftige Probleme: Dateien kann man sich im Gegensatz zu Filmen oder Papierbildern NICHT ansehen).

      Das andere - für mich inzwischen viel wichtigere - Argument für GF ist die Verstellbarkeit der Kameras. DIE ist das einzige wirklich handfeste Unterscheidungsmerkmal. Daher benutze ich seit Längerem für mich den Sammelbegriff "verstellbare Kameras". Diese besondere Leistung ist sonst nirgendwo zu haben, und sie braucht das große Format wegen der Kontrolle der Verstellungen. Das bekomme ich weder für Kleinbild noch im Digitalbereich!!! Natürlich bin ich voreingenommen, weil ich mein GF-Zeug vorwiegend für Architektur verwende. Landschafter und Makroexperten brauchen wenig Verstellbarkeit, TableTop-Fans schon wesentlich mehr. Wenn es aber nur um die vorzeigbare konventionelle technische Bildqualität geht - tja, ich kann ein 5 Megapixel Bild (aus einer anständigen Kamera) ohne Bedenken auf A3 ausdrucken, und das ist fast 30x40. Dafür brauche ich kein GF (wie gemein), hingegen brauche ich es sehr intensiv für meine Sammlung von Haustüren (da geht mit den üblichen kleinen/mittleren Kameras immer etwas verloren, meistens schon durch den Standpunkt, der sich mit verstellbaren Kameras viel flexibler wählen lässt).

      Ein weiteres GF-Argument, was aber heftig mit der Verstellbarkeit zusammen hängt, ist die Weitwinkeltüchtigkeit. Im Digi-Bereich gibt es vorsichtshalber so gut wie nichts, Kleinbildkameras können es, aber die Kontrolle des Bildergebnisses ist gerade bei Bildwinkeln über 90 Grad nur auf einer großen Mattscheibe machbar.

      Im Endeffekt muss jeder mit sich selbst ausmachen, warum er sich mit GF beschäftigt. Nur sollte jeder auch die nötige Klarheit haben, weil sonst die ganze Idee eine ziemlich dünne Blase bleibt. Angesichts der noch überschaubaren Anzahl von Forumteilnehmern habe ich allerdings die Hoffnung, dass das "ernsthafte" Interesse überwiegt.

      Wie von mir immer wieder gesagt: Das photographische Endprodukt ist das Bild!

      In diesem Sinne: Gut Licht (und gute Kondition)!

      Grüße,
      Hans-Peter
    • vortrefflicher Artikel

      Wenn ich für mich spreche, triffst Du den nagel direkt auf den Kopf. Wegen der Verstellmöglichkeiten, bin ich letztendlich bei einer Grossformatkamera gelandet. Das Negativformat ist 6x6 gar nicht so schlecht. Aber für meinen Teil, 9x12 ist noch ein Tick besser. Was die Kontakte angeht, kann ich noch nicht mitreden. soviel dazu.

      Was die wirklich sehr guten englischsprachigen Foren angeht, geb ich Dir recht. Sehr informativ. aber mitunter auch sehr USA-lastig. Das war/ist wiederrum ein Grund für mich gewesen, den Speicherplatz hier zur Verfügung zu stellen, um ein deutschsprachiges Äquivalent auf die Beine zu stellen. das geht sicherlich nicht von heute auf morgen, aber vielleicht ein 2-3 Jahren... Wenns sich rumgesprochen hat, wer weiß das schon.

      Viele Grüße Micha
    • Hallo Hans-Peter,

      kannst du vielleicht mal kurz beschreiben, was du für einen Drucker benutzt und wie du den kalibriert hast. Ich bin nämlich schon seit geraumer Zeit am überlegen, ob ich und wenn ja was ich mir für einen Drucker zulegen soll. Einzig das Format ist mir schon klar es soll A3 sein. Für Farbe schätze nämlich auch den digitalen Workflow, bislang aber nur in A4.

      Natürlich bin ich voreingenommen, weil ich mein GF-Zeug vorwiegend für Architektur verwende. Landschafter und Makroexperten brauchen wenig Verstellbarkeit, TableTop-Fans schon wesentlich mehr


      Dazu muß ich jetzt auch noch was loswerden. Ich habe letztens nochmal die "Keatives Grossformat" Bände in der Hand gehabt und mir noch mal angeschaut wie es so mit dem Verstellungen bei Landschaft und Architektur aussieht. Einfach um die Bilder gedanklich noch mal nachzuvollziehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass wesentlich mehr Landschaftsaufnahmen verstellt waren als Architekturaufnahmen. Ich fand das ziemlich erstaunlich. Ich hätte nicht gedacht, das man bei Landschaften doch soviel "verstellen" kann, um eine bestimmte Bildwirkung zu erreichen.

      Gruss Sven.
    • Ich arbeite fast ausschließlich in SW.
      Der landläufigen Meinung folgend reicht bei SW das Kleinbildformat voll aus.
      Tja mir leider nicht.
      Die Verstellbarkeit der GF Kameras ist ok, aber das geht auch mit entsprechenden Kleinbild Objektiven.
      Bei mir ist es ist die Qualität der Negative, nur wenn ich einen einzelnen Film habe kann ich diesem passed für den Aufnahmekontrast entwicklen.
      Im Dreieck Schärfe, Feinkörnigkeit, Kontrast kann ich die Eigenschaften Schärfe und Kontrastbewältigung übergewichten, die Feinkörnigkeit ist weniger wichtig.
      Anders ausgesprochen die nicht mehr zu vergrößende Aufnahme des Kleinbildnegativs wird auf dem angepast verarbeiteten Planfilm ein Superabzug.
    • Noch ein paar Bemerkungen ...

      Zunächst eine Info für Urnes:

      Im Moment benutze ich (meinem Kürzel gemäß, haha!) vorzugsweise die HP-Drucker. Für A3 den am Lehrstuhl vorhandenen DeskJet 1220C. Der ist auf Fotopapier recht anständig, obwohl er nur mit vier Farben druckt, also KEINE hellen Fotofarben dazu nimmt. Das Ding kostet mich nur das Verbrauchsmaterial ...

      Ich werde mich allerdings mittelfristig doch mit einem eigenen Drucker versorgen (als digitale Dunkelkammeralternative), aber da weiß ich immer noch nicht, was denn nun gut ist. In Farbe ist es eher einfach, da tun es alle relativ gut. In SW allerdings würden mich die diversen Graupatronen schon sehr reizen, die gibt es aber nur für Epson und Canon (von Epson habe ich vorwiegend Mäßiges hinsichtlich der Stabilität gehört). Momentan ist sowas wie der s9000 mein Favorit, aber ... man weiß ja nie. Umnmittelbaren Handlungsbedarf habe ich nicht, weil ich im Moment wenig zum Fotografieren komme (sniff!).

      An Mattes und Whitewater:

      Natürlich ist auch SW in großen Formaten schöner. Bei Farbe springt es aber IMHO wegen der Sättigung bei großen Flächen weit mehr ins Auge. Sicher auch Geschmackssache. Jedenfalls kommt man bei gescannten Kleiinbilddias/-negativen schnell an die Grenzen des Filmmaterials. Und was die Verstellbarkeit bei KB betrifft: Klar gibt es auch da Shiftobjektive u.ä. Nur sind DIE wirklich schweineteuer, und die Kontrolle ist auch bei SLRs bei weitem nicht so einfach wie bei GF. Aber auch hier: Geschmackssache. Ich mache aus der Fotografie kein Dogma.

      Also denn, wie immer gut Licht und gute Kondition,

      Hans-Peter